Forschung als Kompass für Finanzstabilität in digitaler Transformation
Chiara Scotti, stellvertretende Gouverneurin der Banca d'Italia, unterstreicht die zentrale Rolle der ökonomischen Forschung. Sie soll Finanzstabilität und Regulierung an die Herausforderungen von Digitalisierung und Nichtbanken anpassen.
Neue Fragen in einer sich wandelnden Finanzlandschaft
Chiara Scotti eröffnete die Konferenz mit einer Reihe kritischer Fragen: Warum unterschieden sich die Einlagendynamiken während der Turbulenzen 2023?
Wann werden nicht realisierte Wertpapierverluste für die geldpolitische Transmission relevant?
Was treibt den Aufstieg der Nichtbanken-Intermediation an, und wie verändert dies Risiko und Liquidität im Finanzsystem?
Und wie sollen Aufsicht und Regulierung sich an die digitale Transformation anpassen?
Modelle, die für eine Welt des Filialbankings und langsam beweglicher Einlagen konzipiert wurden, können das heutige Finanzsystem nicht mehr erfassen.
Die Digitalisierung ermöglicht es Einlegern, Gelder sofort und rund um die Uhr zu bewegen, sowohl zwischen Banken als auch von Banken zu einer Vielzahl von Finanzintermediären.
Dies verstärkt die Anfälligkeit der Banken und beeinflusst die geldpolitische Transmission, wie der jüngste Straffungszyklus zeigte.
Digitale Geschwindigkeit und verborgene Risiken
Die digitale Transformation hat die Geschwindigkeit von Bank-Runs drastisch erhöht.
Einleger reagieren empfindlicher auf Marktbedingungen und können Gelder sofort über Plattformen verschieben.
Dies trug zur beispiellosen Geschwindigkeit der Einlagenabflüsse bei den Bankenpleiten 2023 in den USA und bei der Credit Suisse bei.
Gleichzeitig kann die schnelle Verbreitung von Nachrichten und Gerüchten über soziale Medien die Reaktionen von Einlegern und Aktionären intensivieren.
Die Digitalisierung erhöht auch die Sensitivität von Einlagen gegenüber Zinsänderungen, was die Finanzierungskosten der Banken steigert und die Stabilität ihrer Einlagenbasis reduziert.
Dies führt zu einer schnelleren und ungleichmäßigeren Transmission der Geldpolitik auf die Bankbilanzen und Kreditbedingungen.
Forschung als unverzichtbarer Kompass
Die Rede unterstreicht eindringlich, dass traditionelle Regulierungsansätze mit der rasanten Entwicklung des Finanzsystems kaum Schritt halten können.
Ökonomische Forschung ist daher unverzichtbar, um neue Risiken wie digitale Bank-Runs und die wachsende Rolle von Nichtbanken zu verstehen und robuste politische Antworten zu entwickeln.
Ohne kontinuierliche, faktenbasierte Analyse riskieren Zentralbanken, in einem zunehmend komplexen und vernetzten Finanzökosystem blind zu navigieren.