Lagarde: Inflationswahrnehmung fordert Vertrauen, Politik
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Lagarde: In­fla­ti­ons­wahr­neh­mung fordert Vertrauen, Politik

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte vor dem EU-Parlament, dass die Diskrepanz zwischen gefühlter und gemessener Inflation das Vertrauen in Institutionen und die Geldpolitik beeinflusst. Sie bekräftigte den datenabhängigen Ansatz der EZB und warnte vor voreiligen Schlüssen.

Eurozone: Wachstum, Inflation, Geduld

Die Wirtschaft der Eurozone wuchs im vierten Quartal des Vorjahres um geschätzte 0,3 Prozent und im Gesamtjahr 2025 um 1,5 Prozent – besser als ursprünglich prognostiziert.

Dieses Wachstum wurde primär von der Binnennachfrage getragen, wobei der Dienstleistungssektor, insbesondere Information und Kommunikation, eine Schlüsselrolle spielte.

Die Inflation sank im Januar auf 1,7 Prozent, nach 2,0 Prozent im Dezember, hauptsächlich aufgrund niedrigerer Energie- und Dienstleistungspreise.

Die Kerninflation, ohne Energie und Nahrungsmittel, verringerte sich auf 2,2 Prozent.

Real sind die Löhne wieder über das Niveau von Anfang 2021 gestiegen, und das Lohnwachstum wird sich mittelfristig auf etwa 3 Prozent moderieren.

Die EZB hält ihre Leitzinsen unverändert und verfolgt einen datenabhängigen, sitzungsweisen Ansatz, ohne sich auf einen zukünftigen Zinspfad festzulegen.

Das Paradox der In­fla­ti­ons­wahr­neh­mung

Die Diskrepanz zwischen gemessener und gefühlter Inflation ist ein globales Phänomen, das auch im Euroraum beobachtet wird.

Seit April 2020 übertraf die wahrgenommene Inflation die gemessene im Durchschnitt um 1,2 Prozentpunkte.

Diese Lücke ist relevant, da Wahrnehmungen das Konsum- und Sparverhalten sowie Lohnforderungen beeinflussen und somit die aggregierte Wirtschaftsaktivität und Inflationsdynamik prägen.

Sie formen auch Erwartungen über zukünftige Inflation und können das Vertrauen in Institutionen wie die EZB beeinträchtigen.

Faktoren wie persönliche Konsummuster, die Häufigkeit von Einkäufen (insbesondere Lebensmittelpreise), psychologische Effekte (Fokus auf Preisanstiege) und die Finanzkompetenz beeinflussen diese Wahrnehmungen stark.

Vertrauen ist die wahre Währung

Lagardes Rede unterstreicht die wachsende Bedeutung der Kommunikation für Zentralbanken, um die öffentliche Wahrnehmung zu steuern.

Das Schließen der Lücke zwischen gefühlter und gemessener Inflation ist entscheidend, um Inflationserwartungen zu verankern und die demokratische Legitimität der EZB zu stärken.

Investitionen in Finanzbildung und zugängliche Erklärungen sind daher keine Nebensache, sondern zentrale Pfeiler einer effektiven Geldpolitik.