EZB erhöht Zinsen um 25bp: Lagarde erklärt Strategie
Die EZB hat auf ihrer Juni-Sitzung die Leitzinsen um 25 Basispunkte erhöht. Präsidentin Christine Lagarde erläuterte vor dem EU-Parlament die geldpolitische Strategie in Zeiten geopolitischer Spannungen und Angebotsschocks.
25 Basispunkte gegen Inflationsrisiken
Die Europäische Zentralbank hat auf ihrer Juni-Sitzung die drei Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben.
Präsidentin Christine Lagarde betonte, diese Entscheidung sei robust über alle Szenarien hinweg und diene der mittelfristigen Inflationsstabilisierung bei zwei Prozent.
Der Euroraum verzeichnete im ersten Quartal 2026 ein reales BIP-Wachstum von 0,3 Prozent.
Die Juni-Projektionen des Eurosystems sehen das BIP-Wachstum bei 0,8 Prozent (2026), 1,2 Prozent (2027) und 1,5 Prozent (2028).
Die Inflation stieg im Mai auf 3,2 Prozent, primär getrieben von Energiepreisen, die im April und Mai über 10 Prozent lagen.
Die Kerninflation erreichte 2,6 Prozent.
Die Inflationsprojektionen liegen bei 3,0 Prozent (2026), 2,3 Prozent (2027) und 2,0 Prozent (2028).
Lagarde warnte vor Unsicherheiten und Risiken für Inflation und Wachstum.
Die EZB verfolge einen datenabhängigen, sitzungsweisen Ansatz.
Drei Prinzipien für die Geldpolitik
Die EZB-Strategiebewertung 2025 fokussierte sich auf die Reaktion der Geldpolitik in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit und häufiger Angebotsschocks.
Die Strategie basiert auf drei Prinzipien: Erstens, die sorgfältige Bewertung der Art des Angebotsschocks – dessen Größe, Persistenz und Ausbreitung.
Die Geldpolitik muss indirekte und Zweitrundeneffekte beurteilen.
Zweitens, der Fokus auf Risiken um die Basislinie herum, unter Nutzung alternativer Szenarien.
Drittens, eine maßgeschneiderte und abgestufte Politikreaktion.
Kleine Schocks können ignoriert werden.
Größere, aber nicht zu persistente Überschreitungen erfordern eine angepasste Politik.
Signifikante, persistente Abweichungen erfordern eine forceful Reaktion, um eine Entankerung der Inflationserwartungen zu verhindern.
Die Juni-Entscheidung fiel in den zweiten Fall, da die Entankerung von Erwartungen noch nicht erkennbar ist.
Agilität als neue Normalität
Lagarde betont die Anpassungsfähigkeit der EZB-Strategie an eine Welt voller Schocks.
Die Einordnung der aktuellen Lage in die 'zweite Fall'-Kategorie zeigt, dass die EZB zwar handelt, aber noch keine Entankerung der Inflationserwartungen sieht.
Dies signalisiert eine vorsichtige, aber entschlossene Haltung, die sich flexibel an die volatile geopolitische und wirtschaftliche Lage anpassen will.