Lagarde: Nahost-Krieg erhöht Inflationsrisiken
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Lagarde: Nahost-Krieg erhöht Inflationsrisiken

EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte auf der IMFC-Sitzung vor erhöhten Inflationsrisiken durch den Nahost-Krieg. Sie betonte die Notwendigkeit einer datenabhängigen Geldpolitik angesichts globaler Unsicherheiten.

Geopolitik prägt den Wirt­schafts­aus­blick

Die Weltwirtschaft navigiert durch turbulente Gewässer, geprägt von komplexen und unsicheren Kräften.

Steigende Investitionen in künstliche Intelligenz und fiskalische Impulse stützen zwar das globale Wachstum, doch geopolitische und handelspolitische Spannungen wirken als Gegenwind.

Insbesondere der Krieg im Nahen Osten führt zu einem starken Anstieg der Energiepreise, verschärft die Finanzierungsbedingungen und erhöht die Unsicherheit, was das globale Wachstum negativ beeinflusst und Aufwärtsrisiken für die Inflation birgt.

Auch Russlands Krieg gegen die Ukraine und protektionistische Tendenzen belasten den Welthandel.

Für den Euroraum wird das BIP-Wachstum 2026 auf 0,9 Prozent prognostiziert, nach 1,4 Prozent im Jahr 2025.

Die EZB-Projektionen für 2027 und 2028 liegen bei 1,3 bzw. 1,4 Prozent, basierend auf einem eingedämmten Konflikt.

Risiken für den Ausblick sind jedoch abwärtsgerichtet, insbesondere kurzfristig.

Inflation im Fokus der EZB

Die Gesamtinflation im Euroraum stieg im März auf 2,6 Prozent, primär durch höhere Energiepreise.

Die Kerninflation, ohne Energie und Nahrungsmittel, ging leicht auf 2,3 Prozent zurück.

Das nominale Lohnwachstum verlangsamte sich im vierten Quartal 2025 auf 3,7 Prozent.

Die EZB-Projektionen sehen die Gesamtinflation 2026 bei 2,6 Prozent, 2027 bei 2,0 Prozent und 2028 bei 2,1 Prozent.

Diese wurden gegenüber Dezember nach oben korrigiert, hauptsächlich wegen erwarteter höherer Energiepreise.

Der EZB-Rat hielt die Leitzinsen im März unverändert.

Er verfolgt einen datenabhängigen, sitzungsweisen Ansatz, ohne sich auf einen bestimmten Zinspfad festzulegen.

Unsicherheit als neue Normalität

Lagardes Statement unterstreicht die tiefe Unsicherheit, mit der Zentralbanken konfrontiert sind.

Der Fokus auf Datenabhängigkeit und die Absage an feste Zinspfade zeigen die Schwierigkeit, Prognosen inmitten geopolitischer Schocks zu erstellen.

Dieser vorsichtige Ansatz ist zwar umsichtig, bietet den Märkten jedoch wenig konkrete Orientierung über den unmittelbaren Horizont hinaus.

Quelle: Christine Lagarde: IMFC statement

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