Lagarde: EZB-Strategie gegen Energieschocks – Agilität und Risikofokus
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Lagarde: EZB-Strategie gegen Energieschocks – Agilität und Risikofokus

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat auf der 'ECB and Its Watchers' Konferenz die Strategie der EZB zur Bewältigung von Energieschocks skizziert. Sie betonte Agilität und einen Fokus auf Risiken, um Inflationsgefahren zu begegnen.

Drei Säulen der EZB-Antwort

Lagarde betonte, die EZB werde ihre Reaktion auf Energieschocks in ihrer geldpolitischen Strategie verankern.

Diese basiere auf drei Prinzipien: Erstens müsse die Art, Größe und Dauer des Schocks bewertet werden, um festzustellen, wann höhere Energiekosten in eine breitere Inflation übergehen könnten – sei es durch indirekte oder Zweitrundeneffekte über Löhne und Inflationserwartungen.

Zweitens sei der Fokus auf Risiken entscheidend, da die Effekte von Preisschocks nichtlinear sein können.

Szenarien und Frühwarnzeichen seien daher wichtig.

Drittens biete die Strategie abgestufte Optionen, deren Intensität von Dauer und Ausbreitung des Schocks abhänge.

Kleine, einmalige Schocks könnten ignoriert werden, aber größere Abweichungen vom Inflationsziel erforderten Maßnahmen.

Lehren aus der Vergangenheit, Blick auf heute

Lagarde verglich die aktuelle Lage mit dem Energieschock von 2021/22. Heute sei der initiale Schock bisher kleiner, mit Gaspreisen um 60 Euro pro Megawattstunde gegenüber 340 Euro im August 2022.

Das makroökonomische Umfeld sei zudem günstiger: Die Eurozone befinde sich in einer moderaten Erholung, ohne die ausgeprägten Nachfrage-Angebots-Ungleichgewichte von 2022.

Inflation liege nahe dem Ziel, Geld- und Fiskalpolitik seien neutraler.

Dennoch mahnte sie zur Wachsamkeit: Angriffe auf Energieinfrastruktur, wie die Ras Laffan-Anlage, reduzierten die Wahrscheinlichkeit einer schnellen Normalisierung.

Die volle Auswirkung des Versorgungsverlusts werde erst noch spürbar.

Nicht nur das Basisszenario zählt

Lagardes Rede unterstreicht die Entschlossenheit der EZB, in einem Umfeld hoher Unsicherheit flexibel zu bleiben.

Die Betonung von Agilität und Szenarioanalysen signalisiert, dass der Rat nicht an einen festen Zinspfad gebunden ist.

Dies ist entscheidend, um auf unvorhersehbare Entwicklungen an den Energiemärkten angemessen reagieren zu können, ohne die Glaubwürdigkeit zu gefährden.