Lagarde beleuchtet globale Ordnung und ihre Zukunft
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Lagarde beleuchtet globale Ordnung und ihre Zukunft

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, sprach bei der BIZ über die Entstehung und die aktuellen Herausforderungen der globalen Ordnung. Sie betonte die Notwendigkeit, die Prinzipien der Zusammenarbeit in einer multipolaren Welt zu stärken.

Fundamente einer fragilen Weltordnung

Christine Lagarde skizzierte in ihrer Rede die historischen Säulen der globalen Ordnung, die über Jahrhunderte hinweg durch internationale Abkommen, Institutionen und gemeinsame Werte geformt wurde.

Sie betonte, dass diese Ordnung auf Prinzipien wie Multilateralismus, Rechtsstaatlichkeit und offene Märkte basierte, die nach dem Zweiten Weltkrieg eine Ära relativer Stabilität und wirtschaftlichen Wachstums ermöglichten.

Die Präsidentin der EZB hob hervor, wie diese Strukturen den Handel förderten, Konflikte eindämmten und den Wohlstand global steigerten.

Sie verwies auf die Rolle von Institutionen wie den Vereinten Nationen, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, die als Ankerpunkte für die internationale Zusammenarbeit dienten.

Lagarde warnte jedoch davor, diese Errungenschaften als selbstverständlich anzusehen, da die Fundamente dieser Ordnung zunehmend unter Druck geraten.

Die Rede beleuchtete die Komplexität und die gegenseitige Abhängigkeit, die diese globale Architektur kennzeichnen, und wie sie über Generationen hinweg aufgebaut wurde, um kollektive Herausforderungen zu bewältigen.

Erosion der multilateralen Säulen

Die globale Ordnung sieht sich heute mit beispiellosen Herausforderungen konfrontiert, die ihre Stabilität bedrohen.

Lagarde identifizierte geopolitische Spannungen, den Aufstieg des Protektionismus und die Fragmentierung der globalen Wirtschaft als zentrale Erosionsfaktoren.

Sie sprach über die Auswirkungen von Handelskriegen, technologischem Wettbewerb und dem Rückzug einiger Staaten aus internationalen Abkommen.

Diese Entwicklungen untergraben das Vertrauen in multilaterale Institutionen und erschweren die gemeinsame Bewältigung globaler Probleme wie Klimawandel, Pandemien und Finanzkrisen.

Die EZB-Präsidentin betonte, dass eine Rückkehr zu nationalstaatlichen Alleingängen langfristig allen schaden würde und die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte gefährdet.

Ein Weckruf für die Kooperation

Lagardes Analyse ist ein dringender Appell, die Erosion der globalen Ordnung ernst zu nehmen und aktiv gegenzusteuern.

Ihre Betonung der Notwendigkeit, die multilateralen Prinzipien zu erneuern, ist angesichts der aktuellen geopolitischen Realitäten überfällig.

Ohne eine Rückbesinnung auf gemeinsame Werte und eine verstärkte internationale Zusammenarbeit droht eine Ära erhöhter Instabilität und verpasster Chancen.