Lagarde: Zentralbank-Unabhängigkeit in Krisen bewahren
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Lagarde: Zentralbank-Unabhängigkeit in Krisen bewahren

EZB-Präsidentin Christine Lagarde mahnt, die Unabhängigkeit der Zentralbanken in Krisenzeiten zu bewahren. Auf dem Treffen der frankophonen Zentralbankgouverneure in Phnom Penh betonte sie die Bedeutung von Glaubwürdigkeit.

Glaubwürdigkeit als Währung

Die 1970er Jahre zeigten, dass Länder mit weniger unabhängigen Zentralbanken höhere und hartnäckigere Inflation erlebten.

Dies führte dazu, dass bis zur Jahrtausendwende über vier von fünf Zentralbanken operativ unabhängig wurden, was mit einem Rückgang der globalen Inflation einherging.

Dieser Erfolg basierte jedoch oft auf de jure statt de facto Unabhängigkeit – eine Unterscheidung, die in einem günstigen globalen Umfeld weniger relevant war.

Heute verschieben sich diese Bedingungen: Häufigere Angebotsschocks, fiskalische Engpässe und ein sinkendes Vertrauen in öffentliche Institutionen stellen die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken auf die Probe.

Lagarde betonte, dass es nicht mehr nur darum gehe, Unabhängigkeit zu garantieren, sondern sie zu schützen, wenn sie auf die Probe gestellt wird.

Die Fähigkeit, politischem Druck standzuhalten, hängt von der über Jahre aufgebauten öffentlichen Unterstützung ab.

Ohne diese Unterstützung fällt die Verteidigung der Unabhängigkeit allein auf die Zentralbank zurück, was ihre Position schwächt.

Krisen als Autoritätsquelle

Die EZB musste ihre Glaubwürdigkeit von Grund auf aufbauen, da ihr rechtlicher Rahmen allein keine Autorität verlieh.

Die Staatsschuldenkrise zwang die EZB, unkonventionelle Instrumente einzusetzen, um die geldpolitische Transmission zu sichern, stets im Rahmen ihres Mandats.

Diese Maßnahmen, obwohl umstritten, wurden gerichtlich bestätigt und zeigten die Fähigkeit, Instrumente an die Umstände anzupassen.

Im Jahr 2022, konfrontiert mit historisch hoher Inflation, straffte der EZB-Rat die Politik beispiellos schnell.

Die über zwei Jahrzehnte aufgebaute Glaubwürdigkeit sorgte dafür, dass die Inflationserwartungen verankert blieben und die Maßnahmen verstanden wurden.

Die Krisen verliehen der EZB die Autorität, ihre Unabhängigkeit effektiv auszuüben.

Unabhängigkeit ist kein Selbstläufer

Die Bewahrung der Zentralbank-Unabhängigkeit erfordert heute mehr als nur rechtliche Verankerung.

Lagarde identifiziert drei entscheidende Bedingungen: ein klares Mandat mit Preisstabilität als Primärziel, direkte und transparente Kommunikation mit den Bürgern sowie die Sicherung des geldpolitischen Handlungsspielraums durch fiskalische Verantwortung und ein resilientes Finanzsystem.

Es braucht Zeit, Vertrauen aufzubauen, aber nur einen Augenblick, es zu verlieren – eine ständige Herausforderung für alle Zentralbanken.