Waller warnt vor Inflationsrisiken durch Schockserien
BIS Speech Read in English

Waller warnt vor Inflationsrisiken durch Schockserien

Fed-Gouverneur Christopher J. Waller sieht die US-Wirtschaft mit einer Kette von 'transitorischen' Schocks konfrontiert. Er warnt vor einer dauerhaften Inflationsspirale, sollte der Konflikt im Nahen Osten anhalten.

Arbeitsmarkt und Geopolitik prägen das Bild

Waller skizzierte die wirtschaftliche Lage vor dem Iran-Konflikt: Die Inflation lag ohne Tarifeffekte leicht über dem Zwei-Prozent-Ziel der Federal Open Market Committee (FOMC), während der Arbeitsmarkt Anzeichen einer Abschwächung zeigte.

Zwei kritische Entwicklungen haben das Bild seither verändert: Der Konflikt mit Iran, der die Energiepreise in die Höhe trieb, und ein drastischer Rückgang der Nettoimmigration.

Letzterer, von 2,3 Millionen im Jahr 2024 auf ein minimales Niveau in 2025 und 2026, bedeutet, dass kaum noch Netto-Jobwachstum nötig ist, um neue Arbeitskräfte aufzunehmen.

Diese 'beispiellose' Entwicklung ist laut Waller ein Schlüsselfaktor für die Geldpolitik.

Er betonte, dass die Kombination aus alternder Bevölkerung und geringer Immigration das Wachstum der Arbeitskräfte auf nahezu null drückt.

Dies reduziere die Zahl der benötigten neuen Jobs erheblich, um die Arbeitslosenquote stabil zu halten, was die Bewertung des Arbeitsmarktes erschwere.

Energiepreise treiben Inflation an

Die Inflation lag im Februar bei 2,8 Prozent (PCE-Preise) bzw. 3,0 Prozent (Kerninflation), noch weit vom Zwei-Prozent-Ziel entfernt.

Waller wies jedoch darauf hin, dass die zugrunde liegende Inflation, bereinigt um Tarifeffekte, bereits nahe zwei Prozent lag.

Mit dem Ausbruch des Iran-Konflikts stiegen die Benzinpreise um über ein Drittel, und der Brent-Rohölpreis erreichte 95 Dollar pro Barrel.

Dies führte im März zu einem Anstieg der Energiekomponente des Verbraucherpreisindex um 10,8 Prozent.

Die Zwölf-Monats-Gesamtinflation stieg auf 3,3 Prozent, die Kerninflation auf 2,6 Prozent.

Schätzungen zufolge wird die PCE-Inflation im März sogar 3,5 Prozent (Gesamt) und 3,2 Prozent (Kern) erreichen.

Waller betonte die Schwierigkeit von Prognosen in solch komplexen Situationen und stellte zwei Szenarien vor, die die zukünftige Entwicklung der Inflation maßgeblich beeinflussen werden.

Lehre aus der Pandemie: Vorsicht ist geboten

Waller warnt davor, eine Abfolge 'transitorischer' Schocks zu unterschätzen.

Die Erfahrung der Pandemie zeigte, dass eine Serie solcher Ereignisse die Inflation dauerhaft anheizen kann.

Sollte der Konflikt im Nahen Osten anhalten, könnten die hohen Energiepreise in andere Güter und Dienstleistungen übergehen.

Die Fed wird daher bei zukünftigen Schocks vorsichtiger agieren müssen, um die Inflationserwartungen stabil zu halten.