Waller mahnt Flexibilität bei Forward Guidance an
BIS Speech

Waller mahnt Flexibilität bei Forward Guidance an

Fed-Gouverneur Christopher Waller fordert ein Umdenken bei der Analyse der Geldpolitik. Bei einer Konferenz in Rom betonte er, dass historische Durchschnitte täuschen und starre Zinsversprechen der Handlungsschnelligkeit schaden.

Startbedingungen schlagen historische Mittelwerte

Historische Durchschnitte eignen sich laut Waller nicht zur Steuerung der Geldpolitik.

Entscheidend seien stets die aktuellen Ausgangsbedingungen.

So lag das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen Anfang 2022 bei einem historischen Höchstwert von 2,0. Die drastische Zinsstraffung führte daher kaum zu Entlassungen, sondern primär zu einem Abbau unbesetzter Stellen.

Große wirtschaftliche Schocks verändern das Verhalten der Marktakteure nichtlinear, was Wirkungsverzögerungen der Notenbankentscheidungen erheblich verkürzt.

Modelle, die auf historischen Werten basieren, scheitern an solchen Sondereffekten.

Zinsversprechen als zweischneidiges Schwert

Forward Guidance sieht Waller zwiespältig.

Während die Ankündigung von Zinsentscheidungen die Transmission beschleunigen kann – wie im September 2021, als die Zweijahresrenditen vor der ersten Zinserhöhung um 200 Basispunkte stiegen –, bergen starre Formulieren erhebliche Risiken.

Das Versprechen aus dem Jahr 2020 etwa band der Fed im Jahr 2021 bei anziehender Inflation die Hände.

In ungewissen Lagen vergleicht Waller Notenbanker mit Autofahrern an einer gelben Ampel: Anhalten in der Kreuzungsmitte ist keine Option.

Eingeständnis mit Seltenheitswert

Wallers Analyse bringt die Grenzen klassischer Lehrbuchmodelle treffsicher auf den Punkt.

Besonders die kritische Selbstevaluation der verzögerten Fed-Reaktion im Jahr 2021 zeigt eine bemerkenswerte Einsicht.

Für die zukünftige Kommunikation bedeutet dies das verdiente Ende unflexibler Vorabfestlegungen.