Buch: Europäische Banken widerstandsfähig gegen geopolitische Risiken
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Buch: Europäische Banken widerstandsfähig gegen geopolitische Risiken

Claudia Buch, Vorsitzende des EZB-Aufsichtsrats, präsentierte den Jahresbericht 2025 zur Aufsichtstätigkeit. Sie betonte die Robustheit europäischer Banken, warnte jedoch vor erhöhten mittel- bis langfristigen Risiken, insbesondere durch geopolitische Unsicherheiten.

Europas Banken: Kapitalstark, aber verwundbar

Der Euro-Raum-Bankensektor zeigt weiterhin eine solide Kapitalausstattung mit einer aggregierten Common Equity Tier 1 (CET1) Quote von rund 16 Prozent bei signifikanten Instituten.

Die Qualität der Vermögenswerte ist systemweit stabil, die Quote notleidender Kredite (NPL) verharrt bei etwa 2 Prozent.

Dennoch bestehen begrenzte Schwachstellen in Segmenten wie Gewerbeimmobilien und der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen.

Dies ist im aktuellen geopolitischen Kontext, in dem der Nahostkonflikt zusätzliche Unsicherheit und Volatilität in die Wirtschaftsprognosen bringt, von entscheidender Bedeutung.

Die Umsetzung der überarbeiteten Eigenkapitalverordnung (CRR III), die Basel III in europäisches Recht überführt, verlief reibungslos mit einem durchschnittlichen Impact von nahezu null im Jahr 2025.

Die vollständige Implementierung von Basel III bleibt eine politische Priorität, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten und die Finanzstabilität zu stärken.

Zwei Säulen der Aufsicht: Resilienz und Effizienz

Die EZB-Aufsicht konzentriert sich auf zwei Hauptprioritäten zur Sicherung der Bankenresilienz.

Erstens wird die Widerstandsfähigkeit gegenüber erhöhten geopolitischen und makroökonomischen Risiken adressiert.

Der EU-weite Stresstest 2025 zeigte, dass der Euro-Raum-Bankensektor Verluste in einem Abschwung-Szenario absorbieren könnte.

Für 2026 werden Banken aufgefordert, geopolitische Risikoereignisse zu identifizieren, die zu einer CET1-Kapitalreduktion von mindestens 300 Basispunkten führen könnten.

Zweitens wird die operationelle Resilienz gestärkt, angesichts zunehmender Konkurrenz durch Nichtbanken, KI-Einsatz und Cyberangriffe.

Die Aufsicht wird zudem effizienter gestaltet: Routineprozesse werden gestrafft, Datenvorlagen reduziert und die Berichterstattung um etwa 20 Prozent vereinfacht.

Bankenunion: Der entscheidende Schritt

Die europäische Bankenlandschaft ist zwar robust, doch ihre volle Stärke entfaltet sie erst mit einer vollendeten Bankenunion.

Ein gemeinsames Einlagensicherungssystem und ein robuster Liquiditäts-Backstop sind unerlässlich, um grenzüberschreitende Fusionen zu fördern und die Krisenfestigkeit zu erhöhen.

Nur so können Europas Banken ihr Potenzial ausschöpfen und die Wirtschaft nachhaltig stützen.