Buch: Banken-Staaten-Nexus schwächer, Bankenunion nötig
Der Banken-Staaten-Nexus hat sich nach der globalen Finanzkrise deutlich abgeschwächt und ist aktuell keine aufsichtsrechtliche Sorge. EZB-Chefaufseherin Claudia Buch betont die Notwendigkeit, diesen Fortschritt durch die Vollendung der Bankenunion zu sichern.
Zwei Säulen der Stabilität
Fast zwei Jahrzehnte nach der globalen Finanzkrise hat sich der Banken-Staaten-Nexus deutlich abgeschwächt.
Dies ist das Ergebnis starker Reformen, die von einer robusten Regulierung, Aufsicht und Abwicklungsbefugnissen getragen werden.
Verluste sollen nun von Aktionären, Gläubigern und branchenfinanzierten Fonds getragen werden, nicht von Steuerzahlern.
Gleichzeitig haben sich die Bilanzen der Banken gestärkt: Die Kapitalisierung ist besser, die Vermögensqualität hat sich verbessert, und notleidende Kredite sanken von fast 8 Prozent im Jahr 2015 auf rund 2 Prozent heute.
Die Eigenkapitalquoten haben sich nahezu verdoppelt.
Diese Entwicklung reduziert die Wahrscheinlichkeit und Schwere potenzieller zukünftiger Krisen erheblich.
Die Bestände an Staatsanleihen der Banken im Euroraum liegen bei 9,3 Prozent der Bilanzsumme, was 170 Prozent des CET1-Kapitals entspricht.
Der sogenannte Home Bias bei Staatsanleihen sank von 39 Prozent im Jahr 2014 auf 28 Prozent Ende 2025.
Verbindungen bleiben vielfältig
Banken und Staaten sind über verschiedene Kanäle miteinander verbunden.
Direkte Verknüpfungen bestehen durch Bankbestände an Staatsanleihen, die als Liquiditätspuffer und Sicherheiten dienen.
Indirekte Verbindungen entstehen durch Staatsgarantien für Kredite an Haushalte und Unternehmen, wie während der COVID-19-Pandemie und Energiekrise geschehen.
Damals belief sich die direkte fiskalische Unterstützung auf 3-4 Prozent des BIP im Euroraum.
Die Einlagenfinanzierung ist im Euroraum von 30 Prozent im Jahr 2007 auf 48 Prozent im Jahr 2025 gestiegen.
Die Episode der Silicon Valley Bank im März 2023 erinnerte daran, dass selbst hochwertige Vermögenswerte bei sinkenden Marktwerten und Vertrauensverlust zu Stress führen können, wenn Liquidität schnell beschafft werden muss.
Fortschritt sichern, Lücken schließen
Trotz der erzielten Fortschritte bleibt die Vollendung der Bankenunion entscheidend, um den Banken-Staaten-Nexus nachhaltig zu schwächen.
Dies erfordert die Schließung verbleibender Lücken im Abwicklungsrahmen und die Einführung eines europäischen Einlagensicherungssystems.
Nur so kann die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors gegenüber neuen Herausforderungen wie geopolitischen Risiken und begrenztem fiskalischem Spielraum der Staaten langfristig gesichert werden.