Beau: Disinflation in Eurozone abgeschlossen, Wachsamkeit bleibt entscheidend
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Beau: Disinflation in Eurozone abgeschlossen, Wachsamkeit bleibt entscheidend

Denis Beau, Erster Vizegouverneur der Banque de France, betont die wirtschaftliche Resilienz Frankreichs und der Eurozone. Der Disinflationsprozess sei mit 1,7 Prozent Inflation im Januar im Wesentlichen abgeschlossen, doch globale Unsicherheiten erforderten weiterhin Wachsamkeit.

Makellose Disinflation trotz globaler Unsicherheit

Die Eurozone hat eine „makellose Disinflation“ erlebt, die Inflation erreichte im Januar 1,7 Prozent – ein Niveau nahe dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB.

Dies gelang, ohne eine Rezession auszulösen, was wenige für möglich hielten.

Trotzdem ist die globale Unsicherheit wieder gestiegen, beeinflusst durch geopolitische Ereignisse wie die US-Intervention in Venezuela und neue Spannungen um Grönland.

Auch die Unberechenbarkeit der US-Handelspolitik trägt dazu bei.

Finanzmarktvolatilität blieb jedoch weitgehend eingedämmt, während der Euro gegenüber dem Dollar aufwertete, primär aufgrund von Zweifeln an der US-Wirtschaftspolitik.

In Frankreich hingegen entspannte sich die innenpolitische Unsicherheit leicht, was zu sinkenden Anleiherenditen und einer bescheidenen Verbesserung der Unternehmensstimmung führte.

Das BIP-Wachstum der Eurozone übertraf im vierten Quartal des Vorjahres mit 0,3 Prozent die Erwartungen.

Für das erste Quartal 2026 wird sowohl in der Eurozone als auch in Frankreich ein weiteres Wachstum erwartet, in Frankreich zwischen 0,2 und 0,3 Prozent.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte, man sei „in einer guten Position“, wobei Wachsamkeit und Agilität unerlässlich blieben.

Binnenkonsum treibt moderates Wachstum an

Das zentrale Szenario für die mittelfristige Entwicklung in Frankreich und der Eurozone bleibt stabil, mit einem leicht stärkeren Wachstumsmomentum in beiden Regionen für 2026.

In Frankreich überraschte die Inflation zu Jahresbeginn mit einem Rückgang.

Das Wachstum wird hauptsächlich vom Binnenkonsum getragen, da die Löhne schneller steigen als die Preise, die Kaufkraft der Haushalte zunimmt und der Arbeitsmarkt resilient bleibt – die Beschäftigung in Frankreich ist auf einem historischen Höchststand.

Dennoch dämpfen hohe Sparquoten der Haushalte (aktuell 18,4 Prozent) und vorsichtige Unternehmensinvestitionen das Potenzial.

Frankreichs Exporte sollen sich dank niedrigerer Lohnstückkosten stabilisieren, während die öffentlichen Ausgaben in der Eurozone, insbesondere in Deutschland, durch Verteidigungs- und Infrastrukturprojekte boomen.

In Frankreich hingegen wird das Wachstum der öffentlichen Konsum- und Investitionsausgaben trotz geplanter Verteidigungsausgaben im Zuge der Haushaltskonsolidierung verhalten bleiben.

Die Gesamtinflation soll in Frankreich und der Eurozone bis 2027 unter zwei Prozent bleiben und erst 2028 wieder das EZB-Ziel erreichen, beeinflusst durch Energiepreise und eine moderierende Kerninflation.

Vigilanz bleibt das Gebot der Stunde

Die Rede bestätigt die robuste wirtschaftliche Erholung und den erfolgreichen Abschluss der Disinflation, doch Beau betont eindringlich die anhaltenden globalen Risiken.

Externe Faktoren wie Wechselkursentwicklungen und chinesische Importe könnten zusätzlichen Abwärtsdruck auf die Inflation ausüben.

Für die EZB bedeutet dies, dass trotz des Erfolgs keine Entwarnung gegeben werden kann und datenabhängige Agilität weiterhin Priorität hat.