Europas strategische Antwort auf Stablecoins: Beau fordert MiCA-Stärkung
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Europas strategische Antwort auf Stablecoins: Beau fordert MiCA-Stärkung

Denis Beau, Erster Vizegouverneur der Banque de France, warnt vor der "Dollar-Dominanz" von Stablecoins im europäischen Zahlungsverkehr. Er fordert eine Stärkung der MiCA-Regulierung und eine europäische Strategie für tokenisiertes Geld.

Gefahr der Dollar-Dominanz im Zahlungsverkehr

Beau betont die Notwendigkeit einer strategischen Antwort Europas auf die Dominanz von USD-denominierten Stablecoins, die hauptsächlich von Nicht-EU-Akteuren ausgegeben werden.

Er warnt vor einer "Stablecoinisierung" und "Dollarisierung" des europäischen Zahlungssystems, die Risiken für die Finanz- und Währungsstabilität sowie die strategische Autonomie mit sich bringen würde.

Die Tokenisierung von Abwicklungsinstrumenten sollte auf dem bestehenden zweistufigen Währungssystem aufbauen, das öffentliches Zentralbankgeld und reguliertes privates Geld europäischer Finanzintermediäre umfasst.

Beau skizziert ein dreifaches Ziel: erstens die Anpassung der Zentralbankgelddienste des Eurosystems an die Digitalisierung von Zahlungen und tokenisierte Finanzen im Groß- und Einzelhandel; zweitens die Unterstützung der Entwicklung von tokenisiertem Privatgeld durch europäische Finanzinstitute; und drittens die Gestaltung eines adäquaten Regulierungsrahmens und dessen Überwachung.

Die Banque de France ist hierbei aktiv, unter anderem mit den Projekten Pontes, Appia und dem digitalen Euro, und plant, ihre Großhandelsdienste in tokenisierter Form bis Ende des Jahres bereitzustellen.

MiCA als erster Schritt, aber mit Lücken

Die EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Assets (MiCA) wird von Beau als erster umfassender Regulierungsrahmen weltweit begrüßt.

Frankreich hat mit dem Pacte-Gesetz bereits frühzeitig Expertise in diesem Bereich aufgebaut.

Beau weist jedoch darauf hin, dass MiCA die Risiken, insbesondere bei einer weitreichenden Akzeptanz von Stablecoins, die von Nicht-EU-Akteuren ausgegeben werden, nur teilweise adressiert.

Daher drängt er auf eine Stärkung der MiCA, um die Nutzung von Stablecoins für alltägliche Zahlungen einzuschränken, insbesondere wenn sie nicht durch den Euro gedeckt sind.

Eine striktere Regulierung der Mehrfachausgabe desselben Stablecoins innerhalb und außerhalb der EU sei ebenfalls erforderlich, um Arbitragerisiken zu mindern.

Zudem sollten die Vorschriften für E-Geld-Token (EMTs) in den kommenden Revisionen von PSD2 (PSD3) und MiCA präzisiert werden, um die Klarheit der regulatorischen Anforderungen zu verbessern.

Europas digitale Souveränität auf dem Prüfstand

Beau formuliert eine klare Vision für Europas digitale Währungszukunft, die auf dem Schutz der monetären Souveränität basiert.

Die Forderung nach einer verschärften MiCA-Regulierung für Stablecoins zeigt, dass die EU die Risiken der Dollar-Dominanz ernst nimmt.

Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen ausreichen, um eine "Stablecoinisierung" effektiv zu verhindern, wird sich jedoch erst in der Praxis zeigen müssen.