KI-Herausforderungen für Zentralbanken: Beau warnt vor Autonomieverlust
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KI-Herausforderungen für Zentralbanken: Beau warnt vor Autonomieverlust

Denis Beau, Erster Vizegouverneur der Banque de France, beleuchtet die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die Zentralbanktätigkeit. Er betont die Notwendigkeit, monetäre und finanzielle Stabilität zu gewährleisten und gleichzeitig die digitale Souveränität zu wahren.

KI-Effekte auf Inflation und Finanzstabilität

Künstliche Intelligenz beeinflusst die Wirtschaft über Angebots- und Nachfragekanäle, was ihre Gesamtwirkung auf die Inflation und den natürlichen Zins (r*) hochgradig unsicher macht.

Der unmittelbare Einfluss auf Investitionen ist erheblich, besonders in den USA, wo Halbleiter- und Softwaresektoren das Wachstum treiben.

Langfristig wird ein signifikanter Produktivitätsschub erwartet, mit Schätzungen von 0,1 bis 1,2 Prozentpunkten pro Jahr in entwickelten Ländern.

Bislang ist der Einfluss auf die Gesamtbeschäftigung begrenzt, und die Auswirkungen auf Ungleichheit bleiben unklar.

Für die Geldpolitik der Eurozone lassen sich daraus noch keine klaren Schlüsse ziehen, da KI eine von mehreren strukturellen Veränderungen ist.

Jedoch wirkt sich KI bereits auf das Finanzstabilitätsmandat aus, da fast alle Banken und Versicherungen in Frankreich KI nutzen.

Dies birgt Risiken wie die Abhängigkeit von großen KI-Modell- und Cloud-Anbietern sowie Gefahren für Verbraucher.

Die Aufsicht muss daher selektiv und gründlich sein, um die technischen Eigenschaften der Algorithmen zu prüfen und neue Herausforderungen wie Erklärbarkeit und Fairness zu adressieren.

Die ACPR-Aufseher müssen ihre Fähigkeiten ausbauen und Finanzinstitute bei der Entwicklung geeigneter Risikomanagement-Tools unterstützen.

Interne Transformation durch KI

Für die Banque de France ist KI bereits ein operatives Werkzeug, das in den Arbeitsalltag integriert ist.

Eine robuste technologische Grundlage mit einer Datenplattform und internem Fachwissen ermöglicht den Einsatz in realen Anwendungsfällen.

Im Jahr 2025 wurde Copilot Chat bankweit eingeführt, um Mitarbeitern das Potenzial von KI für tägliche Aufgaben in einem sicheren Rahmen zu zeigen.

Die Bank befindet sich in einer Beschleunigungsphase, in der Geschäftsbereiche großes Interesse an diesen Technologien zeigen.

Die Initiative „Innovative Bank“, gestartet im Februar 2026, zielt darauf ab, eine klare KI-Governance zu gewährleisten, Geschäftsprozesse zu vereinfachen und zu automatisieren sowie KI für alle zugänglich zu machen.

Ein umfassendes Schulungsprogramm ist bereits etabliert, um die Fähigkeiten der Mitarbeiter zu entwickeln und ihre langfristige Beschäftigungsfähigkeit zu sichern.

Innovation ja, Autonomieverlust nein

Die Einführung von KI wirft für Zentralbanken entscheidende Souveränitätsfragen auf.

Es geht nicht nur um die beste Technologie, sondern auch darum, die Kontrolle über Daten und Systeme zu behalten.

Innovation ist unerlässlich, darf aber niemals auf Kosten der Autonomie und der Kontinuität der Mission gehen.