Digitalisierung: Chancen und Risiken für Finanzgesundheit
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Digitalisierung: Chancen und Risiken für Finanzgesundheit

Digitale Innovationen verbessern den Zugang zu Finanzdienstleistungen, schaffen aber auch neue Risiken. Eine BIS-Studie zeigt gemischte Trends bei der Finanzgesundheit, trotz zunehmender Digitalisierung.

Zugang und Effizienz durch Technologie

Die Finanzdienstleistungsbranche erlebt eine rasante Transformation durch Fintech, künstliche Intelligenz und neue Akteure wie Big Techs.

Diese Entwicklungen erweitern den Zugang zu Zahlungen, Krediten, Spar- und Versicherungsprodukten, insbesondere für bisher finanziell Ausgeschlossene.

Durch die Nutzung neuer Daten und Analysen können Kreditgeber die Genauigkeit der Kreditwürdigkeitsprüfung verbessern, den Kreditfluss an kleine Unternehmen und Einzelpersonen ausweiten und den Bedarf an Sicherheiten reduzieren.

Neue Technologien fördern zudem Konnektivität, Risikoanalyse, Betrugserkennung und die Personalisierung von Dienstleistungen, was prinzipiell die finanzielle Gesundheit von Haushalten und Einzelpersonen stärken kann.

Finanzgesundheit umfasst dabei mehr als nur finanzielle Inklusion; sie beinhaltet die Fähigkeit, Finanzen zu verwalten, Resilienz gegenüber Schocks aufzubauen, finanzielle Ziele zu erreichen und sich finanziell sicher zu fühlen.

Neue Schwachstellen trotz digitaler Fortschritte

Die Vorteile der Digitalisierung gehen mit neuen Schwachstellen einher.

Dazu gehören ein globaler Anstieg von Betrugsfällen, eine erhöhte Überschuldung bei einigen digitalen Kreditnehmern und die Nutzung ungeeigneter Anlageprodukte.

Die aggregierten Trends der Finanzgesundheit sind daher uneinheitlich; in einigen Ländern verschlechtern sich die verfügbaren Indizes, obwohl digitale Technologien stärker genutzt werden.

Beispielsweise kehrte der Anteil finanziell 'verletzlicher' Personen in den USA bis 2024 auf das Vor-Pandemie-Niveau zurück.

In Kenia stieg der Anteil der 'nicht finanziell gesunden' Personen zwischen 2016 und 2021 von 60% auf 80%, trotz der Verbreitung von Mobile Money und digitaler Kreditvergabe.

Dies unterstreicht die entscheidende Rolle der Finanzaufsichtsbehörden bei der Anpassung regulatorischer und aufsichtsrechtlicher Rahmenwerke, um aufkommende Risiken zu mindern und verantwortungsvolle Innovationen zu fördern.

Regulierung muss mit Innovation Schritt halten

Die Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) offenbart ein zentrales Paradox: Technologischer Fortschritt allein garantiert keine verbesserte Finanzgesundheit.

Vielmehr zeigen sich in einigen Regionen sogar Verschlechterungen, was die Notwendigkeit einer proaktiven Regulierung unterstreicht.

Finanzbehörden müssen dringend Rahmenwerke schaffen, die Betrug bekämpfen, Überschuldung verhindern und sicherstellen, dass digitale Produkte den Verbrauchern tatsächlich dienen.

Nur so kann das volle Potenzial der Digitalisierung für eine breitere und stabilere Finanzgesundheit ausgeschöpft werden.