Radev: Bulgariens Eurozone-Erfolg hängt von nationaler Politik ab
BNB-Gouverneur Dimitar Radev betont, dass Bulgariens Erfolg in der Eurozone maßgeblich von nationaler Politik abhängt. Er sprach auf einer Konferenz in Sofia über Geldwachstum und Stabilität.
Inflation: Externe Impulse, interne Schwachstellen
BNB-Gouverneur Dimitar Radev beleuchtet die Inflationsdynamik in Bulgarien als Ergebnis externer Schocks und nationaler Politik.
Im Jahr 2022 erreichte die Jahresinflation in Bulgarien 13 Prozent, mit Spitzen von 15,6 Prozent, deutlich über den 8,4 bzw. 10,6 Prozent im Euroraum.
Im April dieses Jahres lag die Inflation bei 6,2 Prozent, weiterhin über dem Euroraum-Durchschnitt von 3 Prozent.
Radev identifiziert drei Faktoren für die Übertragung externer Schocks: die Wirtschaftsstruktur (hohe Energie- und Importabhängigkeit), das Wettbewerbsumfeld (begrenzte Konkurrenz verstärkt Preispersistenz) und die Fiskalpolitik.
Letztere habe den Zyklus oft verstärkt, indem Einkommenswachstum im öffentlichen Sektor die Produktivität übertraf und automatische Indexierungen sekundären Inflationsdruck erzeugten.
Kreditaktivitäten können bei starker Binnennachfrage Trends verstärken, sind aber keine primäre Inflationsursache.
Die makroprudentielle Politik der BNB, etwa durch Erhöhung des antizyklischen Kapitalpuffers, stärkt das Bankensystem, kann jedoch fiskalische Defizite nicht kompensieren.
Starker Finanzsektor, schwache Staatsfinanzen
Die bulgarische Wirtschaft zeigt eine Divergenz: ein starker Finanzsektor steht einer schwächer werdenden Fiskalposition gegenüber.
Das Bankensystem ist gut kapitalisiert, liquide und profitabel, über dem EU-Durchschnitt.
Die Fiskalposition ist jedoch durch anhaltende Defizite und beschleunigtes Wachstum der Staatsverschuldung gekennzeichnet.
Radev betont, dass die Dynamik der Schulden entscheidend ist, und der Trend der letzten Jahre war ungünstig.
Daraus ergeben sich klare Prioritäten: Fiskalische Disziplin und Antizyklizität durch Ausgabenkontrolle und Wiederaufbau von Puffern.
Automatische Indexierungsmechanismen sollten eingestellt werden.
Zudem sind Produktivität und Effizienz der öffentlichen Ausgaben durch Investitionen in Infrastruktur und Humankapital entscheidend.
Wettbewerb und starke Institutionen sind notwendig, um Preisdisziplin und nachhaltiges Wachstum zu sichern.
Schließlich erfordert eine strukturelle Transformation Investitionen in Innovation und Modernisierung.
Eurozone-Anker, nationale Verantwortung
Radevs Analyse zeigt klar: Bulgariens Inflation ist hausgemacht, auch wenn externe Schocks den Anstoß geben.
Der Eurozone-Beitritt bietet einen stabilen Rahmen, doch ohne konsequente nationale Reformen bleibt der Erfolg fragil.
Dies erfordert unpopuläre Entscheidungen bei Fiskalpolitik und Wettbewerb, um echte Konvergenz zu erreichen.