Distriktinteressen prägen Handelspolitik durch legislative Verhandlungen
Eine neue BIS-Studie schließt eine Lücke in der politischen Ökonomie des Handels: Heterogene Distriktinteressen werden durch legislative Verhandlungen zu nationaler Handelspolitik aggregiert. Das Modell erklärt die Rolle institutionellen Designs und ökonomischer Geografie.
Die Angebotsseite der Handelspolitik
Die vielfältigen Wirtschaftsstrukturen der Kongressdistrikte erzeugen heterogene Präferenzen für die Handelspolitik.
Diese Studie modelliert die Aggregation dieser Distriktpräferenzen in nationale Handelspolitik durch legislative Verhandlungen.
Damit wird eine Lücke in kanonischen Modellen der politischen Ökonomie des Handels geschlossen, die die Angebotsseite der Protektion vernachlässigen.
Das Modell baut auf dem Rahmenwerk von Baron und Ferejohn (1989) auf und liefert eine einheitliche Erklärung der Handelspolitikbildung, in der institutionelles Design, ökonomische und politische Geografie sowie Verhandlungen unter einem Agenda-Setter das Gleichgewichtsniveau des Schutzes bestimmen.
Es ersetzt die unitäre Regierung von Grossman und Helpman (1994) durch ein Parlament aus R-Distrikten, die jeweils eine Untergruppe von J-Gütern produzieren.
Erweiterung des Verhandlungsrahmens
Die Arbeit erweitert bestehende Ansätze, indem sie heterogene Produktionsmuster und flexible Wohlfahrtsgewichte über spezifische und mobile Faktoren hinweg berücksichtigt.
Die Forscher ermöglichen es Distrikten, mehrere Güter zu produzieren und unterschiedliche Wohlfahrtsgewichte zuzuweisen.
Unilaterale, distriktspezifische Präferenzen für Zölle werden mikrofundiert aus ökonomischen und politischen Anreizen abgeleitet.
Die Studie charakterisiert die Handelspolitikbildung sowohl in einem One-Shot-Spiel als auch in einem dynamischen Verhandlungsumfeld.
Sie zeigt, dass die geografische Konzentration der Produktion den politischen Einfluss in legislativen Verhandlungen bestimmt.
Bei stark spezialisierter Produktion divergieren die Zollpräferenzen stark, und Distrikte mit begrenzter handelbarer Produktion können zu entscheidenden Koalitionspartnern werden.
Die Analyse konzentriert sich primär auf den Drei-Distrikt-Fall, diskutiert aber auch die Erweiterung auf R > 3, wobei numerisch für R=5 gezeigt wird, dass die Zusammensetzung der gewinnenden Koalition weiterhin von der räumlichen Verteilung der Produktion abhängt.
Implikationen für die politische Ökonomie
Die Studie liefert eine wichtige theoretische Grundlage für das Verständnis der Handelspolitikbildung.
Sie hilft, das Paradox zu lösen, dass trotz erheblicher Beiträge der Einfluss von Interessengruppen auf Zölle in den USA begrenzt erscheint.
Das Modell bietet einen Rahmen zur Erklärung institutioneller Ursprünge des sogenannten 'China-Schocks', indem es zeigt, wie eine Pro-Freihandels-Mehrheit eine Koalition bilden konnte, die die am stärksten betroffenen Distrikte ausschloss.
Dies unterstreicht die Bedeutung der Angebotsseite und des legislativen Bargainings für die Erklärung realer Handelspolitik-Ergebnisse.