Moulin: Digitaler Euro sichert Währungssouveränität
Emmanuel Moulin, Gouverneur der Banque de France, betont die Notwendigkeit, den Euro ins digitale Zeitalter zu überführen. Angesichts der wachsenden Dominanz von Stablecoins und nicht-europäischen Zahlungsinfrastrukturen müsse Europa seine monetäre Souveränität wahren.
Zahlungsverkehr im Wandel: Von Bargeld zu Token
Moulin hebt hervor, dass sich der Zahlungsverkehr grundlegend wandelt.
Während die Nutzung von Bargeld kontinuierlich abnimmt, expandieren digitale Zahlungen, insbesondere durch Karten- und Mobilzahlungen sowie E-Commerce in Frankreich.
Im Jahr 2024 verzeichnete Frankreich 33 Milliarden bargeldlose Transaktionen, ein Anstieg von 5,2 Prozent.
Karten machten dabei 62 Prozent der bargeldlosen Zahlungen aus.
Parallel dazu schreitet die Tokenisierung von Finanzanlagen voran, die als logischer nächster Schritt im Finanzsystem gilt.
Moulin betonte, dass in diesem Ökosystem aus digitalen Zahlungen und tokenisierten Vermögenswerten „Zentralbankgeld der Anker des Vertrauens bleiben muss“.
Dies kann zu erheblichen Effizienzgewinnen durch reduzierte Abwicklungszeiten und Transaktionskosten führen.
Digitale Dollar-Dominanz als Risiko
Die Digitalisierung birgt jedoch neue Risiken für die monetäre Souveränität und Finanzstabilität Europas.
Moulin warnt vor einer starken Abhängigkeit von nicht-europäischen Akteuren im Retail-Zahlungsverkehr, da internationale Kartensysteme fast zwei Drittel der Kartenzahlungen im Euroraum abwickeln.
Eine noch größere Gefahr stellen Stablecoins dar, deren Marktkapitalisierung von unter 5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 300 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 gestiegen ist.
Diese sind überwiegend dollarbasiert und könnten zu einer digitalen Dollarisierung und Privatisierung des Geldes führen, was die geldpolitische Transmission schwächen würde.
Souveränität durch eigene Lösungen
Die Rede unterstreicht eindringlich die Notwendigkeit, dass Europa proaktiv die digitale Transformation des Geldes mitgestaltet, anstatt nur zu reagieren.
Moulins Appell zur Entwicklung eines digitalen Euros und regulierter privater Euro-Token ist entscheidend, um die monetäre Souveränität in einer zunehmend fragmentierten Welt zu sichern.
Ohne eigene, vertrauenswürdige digitale Ankerpunkte droht Europa, in einem von externen Währungen dominierten digitalen Finanzsystem an Einfluss zu verlieren.