Thedéen: Geldpolitik vor Herausforderungen durch Kriegsschocks
Riksbank-Gouverneur Erik Thedéen warnt vor zunehmenden geopolitischen Schocks, die die Geldpolitik vor schwierige Abwägungen stellen. Er betont die Notwendigkeit, auf kriegsbedingte Angebotsschocks zu reagieren.
Das Paradox der stagflationären Schocks
Erik Thedéen, Gouverneur der Riksbank, beleuchtet die komplexen Herausforderungen für Zentralbanken angesichts kriegsbedingter Angebotsschocks.
Er verweist auf den Konflikt im Iran und die damit verbundenen Störungen globaler Lieferketten, insbesondere durch die Straße von Hormus, die für rund 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion und einen Großteil des Flüssigerdgas-Handels entscheidend ist.
Doch die Auswirkungen reichen weit über Öl hinaus: Die Region ist auch ein zentraler Knotenpunkt für Düngemittel und Rohstoffe für Kunststoffprodukte, zudem ist die weltweite Heliumversorgung stark betroffen.
Solche negativen Angebotsschocks führen zu Stagflation – einer Kombination aus Stagnation und Inflation – und sind für Zentralbanken schwieriger zu handhaben als Nachfrageschocks.
Die Rückkehr zu normalen Bedingungen wird selbst bei einer schnellen Öffnung der Meerenge Zeit in Anspruch nehmen, da Faktoren wie Minenräumung, Schiffstaus und beschädigte Infrastruktur die Normalisierung verzögern und die Inflationsdrücke über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden.
Lehren aus historischen Inflationswellen
Historische Daten zeigen, dass Kriege und geopolitische Ereignisse die Inflation tendenziell stärker und über mehrere Jahre hinweg erhöhen, da die Produktion und der Transport von Gütern schwieriger und teurer werden.
Thedéen zieht Parallelen zu den Ölpreiskrisen der 1970er und 1980er Jahre, die ebenfalls mit Unruhen im Nahen Osten verbunden waren und zu anhaltend hoher Inflation führten.
Er betont, dass die damalige zu expansive Geldpolitik die Inflationsimpulse sich festsetzen ließ.
Auch die Inflation von 2021-2022, teilweise eine Folge des Russland-Ukraine-Krieges, zeigte, wie sich anfänglich angebotsgetriebene Impulse in der Wirtschaft ausbreiten können.
Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern, die noch immer mit über dem Ziel liegender Inflation kämpfen, konnte Schweden die Teuerung erfolgreich eindämmen, was auf ein gut verankertes Vertrauen in das Inflationsziel hindeutet und der Riksbank mehr Handlungsspielraum verschafft.
Drei Wege in die Unsicherheit
Thedéens Analyse unterstreicht die Komplexität der aktuellen Lage und die schwierige Abwägung für Zentralbanken.
Keine der drei skizzierten Strategien – 'Abwarten', 'vorsorgliche Zinserhöhungen' oder 'nuancierte Zinserhöhungen' – bietet eine einfache Lösung, da jede erhebliche Risiken birgt.
Dies deutet auf eine Ära hin, in der Zentralbanken zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsstützung in einem Umfeld permanenter Unsicherheit navigieren müssen.