Thedéen: Riksbank setzt hohe Schwelle für Anleihekäufe
Riksbank-Gouverneur Erik Thedéen betont eine hohe Schwelle für zukünftige Anleihekäufe. Er zieht Lehren aus vergangenen QE-Programmen und deren begrenzten Effekten auf die Realwirtschaft.
QE: Akutmedizin vs. chronische Therapie
Erik Thedéen, Gouverneur der Sveriges Riksbank, reflektiert über die Erfahrungen der Zentralbank mit Anleihekäufen, auch bekannt als Quantitative Easing (QE).
Er unterscheidet klar zwischen Maßnahmen zur Krisenbewältigung, wie während der Pandemie, und solchen, die in 'normalen', aber unkonventionellen Zeiten zur Inflationssteuerung eingesetzt wurden.
Die Riksbank hat den Verkauf ihrer Wertpapiere weitgehend abgeschlossen und ihre Bilanz erfolgreich normalisiert.
Thedéen betont, dass die Leitzinsen wieder das Hauptinstrument sind, doch die Unsicherheit über zukünftige Zinsniveaus erfordert eine gründliche Bewertung vergangener QE-Programme.
Die Diskussion über die langfristige Entwicklung des neutralen Zinsniveaus ist in der akademischen Welt noch nicht abgeschlossen, mit zwei Hauptlagern, die unterschiedliche Prognosen für die Zukunft abgeben.
Diese Unsicherheit unterstreicht die Notwendigkeit, die Vor- und Nachteile von QE genau zu verstehen, um für künftige Herausforderungen gerüstet zu sein.
QE-Wirkung: Finanzmärkte ja, Realwirtschaft bedingt
Thedéen erläutert, dass QE theoretisch über Portfolio-Balance- und Signalisierungskanäle wirkt.
Empirische Studien zeigen klare Effekte auf Finanzvariablen wie Anleihe-, Aktien- und Immobilienpreise.
Die Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und die Inflation sind jedoch unsicherer und kontextabhängiger.
Die Effekte scheinen am stärksten zu sein, wenn QE als akutes Kriseninstrument bei Marktstörungen eingesetzt wird, und schwächer unter normalen Bedingungen an der Zinsuntergrenze.
Zudem gibt es Hinweise, dass die Wirkung mit der Zeit nachlassen kann, wenn sich der Markt an die Präsenz der Zentralbank gewöhnt.
Dies deutet darauf hin, dass QE zwar funktioniert, aber unter begrenzteren Umständen als ursprünglich angenommen.
Hohe Hürde für zukünftige Käufe
Analysen für Schweden zeigen, dass Anleihekäufe Staatsanleiherenditen zwar senkten, aber kaum Finanzierungskosten für Haushalte und Unternehmen reduzierten.
Der Portfolio-Balance-Kanal brach früh ab, da Hypothekenzinsen nicht entsprechend fielen und schwedische Haushalte stärker auf den Leitzins reagieren.
Thedéen betont daher, dass die Riksbank eine hohe Schwelle für zukünftige Anleihekäufe in Nicht-Krisenzeiten beibehalten wird.