Panetta: Euro-Zukunft hängt an politischem Willen
BIS Speech Read in English

Panetta: Euro-Zukunft hängt an politischem Willen

Banca d'Italia Gouverneur Fabio Panetta betont die politische Dimension des Euro. Dessen Zukunft und Widerstandsfähigkeit hängen von der Vollendung der institutionellen Architektur ab.

Euro: Ein politisches Projekt von Anfang an

Fabio Panetta würdigt Robert Mundell, dessen Werk die Relevanz einer Währung in Zeiten verknüpfter Wirtschaftskraft, Technologie und Geopolitik beleuchtet.

Panetta, als Gouverneur der Banca d'Italia und EZB-Ratsmitglied, reflektiert über die politischen Ursprünge des Euro, wie Mundell sie verstand.

Mundell betonte bereits 1969, dass der Fall für eine europäische Währung primär politisch begründet sein müsse, da Politik die Ökonomie überlagere.

Diese Erkenntnis, die viele Ökonomen übersahen, zeigt, dass die Europäische Währungsunion von Anfang an ein breiteres politisches Projekt war, geboren aus den Trümmern zweier Weltkriege.

Die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1951 sollte künftige Konflikte materiell unmöglich machen.

Dreißig Jahre nach Mundells Plan wurde die Vision des Euro Realität.

Krisen als Katalysator für Integration

Die Jahrzehnte nach der Euro-Einführung stellten die Währungsunion vor zwei schwere Schockwellen.

Die globale Finanzkrise 2007-08 und die Staatsschuldenkrise 2010-11 führten zu prozyklischen, unkoordinierten Fiskalpolitiken und schädlicher Fragmentierung.

Die Last der Stabilisierung fiel allein der Geldpolitik zu, wobei Mario Draghis "whatever it takes" die Wende brachte.

Die zweite Welle mit Pandemie und Energieschock nach Russlands Invasion in der Ukraine zeigte ein anderes Bild: Europas Reaktion war schnell und koordiniert.

Das Next Generation EU-Programm ergänzte die Geldpolitik, und nationale Maßnahmen federten die Auswirkungen ab.

Die Lehre ist klar: Gemeinsames Handeln ermöglicht Fortschritte, die zuvor unmöglich schienen.

Drei Fronten für die Euro-Vollendung

Europa muss sich für eine Welt rüsten, in der Sicherheit, Technologie, Finanzen und monetäre Souveränität zunehmend verbunden sind.

Panetta fordert Fortschritte an drei Fronten: Wirtschaftswachstum durch Reformen und Investitionen, eine europäische Kapitalmarktunion sowie die Vollendung der Digitalisierung des Zahlungssystems, inklusive des digitalen Euro.

Nur so kann Europa seine Autonomie in einer gespaltenen Welt sichern.