Karahan: Straffe Geldpolitik bleibt trotz Zinssenkungen entscheidend
Fatih Karahan, Gouverneur der türkischen Zentralbank, stellte den Inflationsbericht 2026-I vor. Er betonte die Fortsetzung einer straffen Geldpolitik, um den Disinflationsprozess zu sichern, trotz jüngster Zinssenkungen im Dezember und Januar.
Disinflation schreitet voran, Zinsen angepasst
Der seit Juni 2024 laufende Disinflationsprozess setzt sich fort.
Die Verbraucherinflation sank im Januar um 2,2 Prozentpunkte auf 30,7 Prozent, auch die Kerninflation ging zurück.
Karahan betonte, dass die Trägheit bei Dienstleistungsposten wie Mieten und Bildung Anzeichen einer Entspannung zeige, was ein Schlüssel für den weiteren Verlauf sei.
Die türkische Zentralbank (CBRT) reduzierte den Leitzins im Dezember von 39,5 Prozent auf 38 Prozent.
Im Januar erfolgte eine weitere Senkung um 100 Basispunkte auf 37 Prozent.
Trotz dieser Anpassungen bekräftigte Karahan die entschlossene Beibehaltung einer straffen Geldpolitik, um die Disinflation im Einklang mit den Zielen zu gewährleisten.
Inländische Nachfrage moderat, globale Risiken präsent
Im Inland setzt sich die Neuausrichtung der Nachfrage fort, wobei der Konsumanteil am Wachstum zurückging und der Investitionsanteil stieg.
Die Industrieproduktion und der Dienstleistungssektor stagnierten im letzten Quartal 2025. Die Arbeitslosenquote sank, doch breitere Indikatoren bleiben hoch.
Die Binnenkonjunktur erholte sich im vierten Quartal moderat, wobei die Nachfragebedingungen den Disinflationsprozess weiterhin unterstützen.
Das Leistungsbilanzdefizit blieb moderat, birgt aber Risiken durch Gold- und Energiepreise sowie Handelsunsicherheiten.
Global belasten Protektionismus und geopolitische Risiken den Wachstumsausblick, während Rohstoffpreise volatil bleiben und die Geldpolitik international divergiert.
Gratwanderung zwischen Stabilität und Wachstum
Die jüngsten Zinssenkungen der türkischen Zentralbank, inmitten einer weiterhin hohen Inflation von über 30 Prozent, stellen einen bemerkenswerten Balanceakt dar.
Karahans Betonung einer 'entschlossenen' straffen Geldpolitik wirkt in diesem Kontext als Versuch, die Glaubwürdigkeit zu wahren, während gleichzeitig ein gewisser Spielraum für die Wirtschaft geschaffen wird.
Ob dieser vorsichtige Lockerungsschritt die Disinflation nicht gefährdet, sondern vielmehr die 'letzte Meile' erfolgreich bestreitet, wird sich in den kommenden Monaten zeigen müssen.