Karahan: Geopolitik erschwert Disinflation in Türkei
Fatih Karahan, Gouverneur der türkischen Zentralbank, warnt vor anhaltenden Inflationsrisiken durch geopolitische Spannungen. Die Notenbank werde alle Instrumente zur Preisstabilität einsetzen.
Nahost-Konflikt treibt globale Unsicherheit
Die geopolitischen Entwicklungen nach dem US/Israel-Iran-Krieg haben die Weltwirtschaft in ein unerwartet schwieriges Umfeld der Unsicherheit gestürzt, so Fatih Karahan, Gouverneur der Zentralbank der Republik Türkiye.
Dies eröffne eine herausfordernde Periode für Zentralbanken, da die Auswirkungen auf Energie- und Transportpreise sowie die Inflation rasch spürbar seien.
Karahan betonte, dass die damit verbundenen inflationären Effekte kurzfristig ausgeprägt bleiben werden, auch wenn globale Erwartungen auf ein weitgehend kurzfristiges Szenario der Spannungen hindeuten.
Die Überwachung potenzieller Sekundäreffekte auf die Inflationsaussichten sei entscheidend.
In diesem Kontext liege der Schlüssel zu effektiven Ergebnissen im Disinflationsprozess erneut in einem datengetriebenen und umsichtigen geldpolitischen Ansatz.
Karahan bekräftigte die Entschlossenheit der Notenbank, ihr primäres Ziel der Preisstabilität zu verfolgen und alle verfügbaren Instrumente einzusetzen, um die mittelfristigen Inflationsaussichten zu gestalten.
Globale Inflation und verzögerte Zinssenkungen
Die globale wirtschaftliche Unsicherheit hat sich durch geopolitische Entwicklungen erheblich verstärkt.
Die Schließung der Straße von Hormus birgt Risiken für die globale Energieversorgung.
Frühindikatoren deuten auf eine Verlangsamung der globalen Wirtschaftsaktivität, steigende Inputkosten und Störungen in den Lieferketten hin.
Energiepreise, insbesondere Rohöl und Erdgas, liegen weiterhin deutlich über dem Vorkriegsniveau, und die Volatilität bleibt hoch.
Auch Nicht-Energiepreise steigen, wenn auch weniger stark.
Karahan erwartet, dass das globale Wachstum 2026 erheblich an Schwung verlieren wird, was auch die externe Nachfrage der Türkei schwächen dürfte.
Die globale Headline-Inflation ist aufgrund höherer Energiepreise gestiegen, was sich besonders in Nettoenergieimportländern bemerkbar macht.
Inflationsprognosen für 2026 wurden weltweit nach oben korrigiert.
Während die Fed ihren Leitzins voraussichtlich das ganze Jahr über unverändert lassen wird, wird erwartet, dass die EZB ihren Leitzins in der zweiten Jahreshälfte anheben wird.
Entschlossenheit trifft auf externe Schocks
Die türkische Zentralbank steht vor einer Zerreißprobe: Während sie intern auf Disinflation setzt, torpedieren externe Schocks wie der Nahost-Konflikt die Fortschritte.
Karahans Rede unterstreicht die Notwendigkeit einer datengetriebenen und vorsichtigen Geldpolitik, um die Erwartungen zu verankern.
Die Glaubwürdigkeit der Notenbank hängt nun maßgeblich davon ab, wie konsequent sie ihre Instrumente gegen diese unkontrollierbaren Faktoren einsetzt.