Naturrisiken bedrohen Finanzstabilität: Elderson fordert Kooperation
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Naturrisiken bedrohen Finanzstabilität: Elderson fordert Kooperation

EZB-Direktor Frank Elderson warnt vor den wachsenden Risiken der Naturzerstörung für die Finanzstabilität. Er betont die Notwendigkeit internationaler Kooperation für eine effektive Bewältigung dieser Herausforderungen.

Wirtschaft hängt am Ökosystem: Ein strukturelles Defizit

Die Wirtschaft ist fundamental von der Natur abhängig.

Die Weltbank schätzt, dass bis zur Hälfte des globalen BIP auf Biodiversität und Ökosystemleistungen beruht.

Im Euroraum sind fast 75 Prozent der Bankkredite an Unternehmen vergeben, die stark von mindestens einer Ökosystemleistung abhängen.

Trotzdem überbeanspruchen wir die Natur, indem wir Ressourcen 1,7-mal schneller verbrauchen, als sie sich regenerieren können.

Dies führt zu einem strukturellen ökologischen Defizit.

Degradierte Natur behindert zudem die Klimaanpassung und -minderung; gesunde Ökosysteme wie Sümpfe, Ozeane und Wälder absorbieren etwa die Hälfte der menschlichen CO2-Emissionen.

Feuchtgebiete schützen zudem vor Überschwemmungen, indem sie Regenwasser speichern und langsam abgeben, was Infrastruktur und Landwirtschaft schützt.

Aufsichtsbehörden rüsten auf: Von Brasilien bis zur EZB

Naturzerstörung beeinträchtigt Kreditrückzahlungen und gefährdet die Finanzstabilität.

Viele Aufsichtsbehörden integrieren daher naturbezogene Risiken in ihre Überwachung.

Beispiele sind Brasiliens Zentralbank, die seit 2021 Informationen sammelt, Ungarns Projekt mit der OECD zur Kartierung von Biodiversitätsrisiken und die Schweizer FINMA mit einem neuen Rundbrief.

Der NGFS wird diesen Monat einen Leitfaden mit Empfehlungen für Aufsichtsbehörden und Finanzinstitute publizieren.

Die EZB erwartet bereits seit 2020 von den beaufsichtigten Banken, materielle naturbezogene Risiken zu managen.

Der Anteil der Banken mit quantitativen Ansätzen stieg von 40 Prozent (2022) auf 75 Prozent heute, doch die Verknüpfung zur Risikosteuerung bleibt eine Herausforderung.

Die Kosten der Naturzerstörung

Neue Forschung quantifiziert die ökonomischen Folgen der Naturzerstörung eindringlich.

Die EZB warnt vor Risiken durch Wasserknappheit für bis zu 24 Prozent der Wirtschaftsleistung im Euroraum, während die Banque de France einen Anstieg der Lebensmittelpreise um über 2 Prozent prognostiziert.

Diese Erkenntnisse unterstreichen die Dringlichkeit einer verstärkten internationalen Kooperation, um die Finanzstabilität angesichts dieser wachsenden Bedrohung zu sichern.