Elderson sieht in grüner Wende Schutz vor Inflationsschocks
EZB-Direktoriumsmitglied Frank Elderson mahnt auf dem Weltkongress der Umweltökonomen in Lissabon zur Beschleunigung des grünen Umbaus. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen treibe die Inflation im Euroraum und gefährde die Finanzstabilität.
Klimaschocks und fossile Abhängigkeit belasten Wirtschaft
Geopolitische Spannungen und Klimaerwärmung belasten die Konjunktur im Euroraum erheblich.
Im ungünstigen Szenario des Nahost-Konflikts sinkt das Wirtschaftswachstum 2027 um 0,3 Prozentpunkte, während die Inflation um 0,7 Prozentpunkte steigt.
Extremwetter verursachte zwischen 2021 und 2024 bereits Schäden von über 200 Milliarden Euro in Europa.
Hitzewellen könnten die Lebensmittelpreise kurzfristig um bis zu 0,7 Prozentpunkte anheben, im Extremklima der 2060er Jahre sogar um 1,8 Prozentpunkte.
Zudem beruhen 75 Prozent aller Unternehmenskredite im Euroraum auf mindestens einer kritischen Ökosystemleistung.
„Zentralbanken müssen die laufenden Klima- und Naturkrisen bei ihren Inflationsprognosen berücksichtigen“, betonte Elderson.
Erneuerbare Energien dämpfen Strompreise trotz Hürden
Der Ausbau erneuerbarer Energien zeigt bereits konkrete Erfolge.
Zwischen 2010 und 2024 fielen die Modulkosten für Photovoltaik um 87 Prozent und für Batteriespeicher um 93 Prozent.
In Spanien lagen die Großhandelsstrompreise Anfang 2024 dank hoher Erneuerbarer-Quote um 40 Prozent niedriger.
Allerdings hemmen verdeckte fossile Subventionen, regulatorische Komplexität und ein geschätzter jährlicher Investitionsbedarf von bis zu 3,7 Prozent des EU-BIP den Übergang.
Zudem erschwert die Zersplitterung des europäischen Kapitalmarkts den Zugang zu Risikokapital für grüne Innovationen.
Kein Mandatsbruch, sondern Notwendigkeit
Elderson zeigt auf, dass der grüne Umbau eine Kernbedingung für stabile Preise bildet.
Kritikern einer "grünen" Geldpolitik nimmt er damit gekonnt den Wind aus den Segeln.
Dennoch stehen vor allem die EU-Staaten in der Pflicht, regulatorische Hürden zügig abzubauen.