Villeroy de Galhau: Lehren aus zehn Jahren Bankenaufsicht
BIS Speech Read in English

Villeroy de Galhau: Lehren aus zehn Jahren Bankenaufsicht

François Villeroy de Galhau zieht Bilanz: Der Gouverneur der Banque de France reflektiert über zehn Jahre Bankenaufsicht und skizziert künftige Herausforderungen. Er betont die Stärkung der ACPR und die Notwendigkeit, den Horizont zu erweitern.

Von der Krise zur Resilienz

Die Jahre 2015 bis 2025 markieren eine entscheidende Phase für den europäischen Finanzsektor.

Nach der Subprime-Krise 2007 und der Großen Finanzkrise 2008, gefolgt von den Staatsschuldenkrisen im Euroraum, wurde ein umfassender Regulierungsrahmen geschaffen.

Die Etablierung des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) 2014 und die Asset Quality Review (AQR) stärkten die europäische Bankenlandschaft nachhaltig.

Mit der Finalisierung von Basel III Ende 2017 und dessen Umsetzung in europäisches Recht (CRR 3, CRD 6) im Juni 2024 wurde das prudenzielle Reformkapitel weitgehend abgeschlossen, mit einer finalen Implementierung bis 2033.

Französische Banken erhöhten ihre CET1-Quoten von durchschnittlich 12,5 Prozent im Jahr 2015 auf 15,6 Prozent Ende 2025.

Auch Versicherer steigerten ihre Solvenzquoten (SCR-Deckungsquote von 226 Prozent auf 250 Prozent).

Diese Resilienz wurde durch rigorose Stresstests bestätigt, die zeigen, dass der europäische Bankensektor ausreichend kapitalisiert ist, selbst unter sehr ungünstigen Szenarien.

Die Aufsicht hat sich in beispiellosen Schocks wie der Covid-19-Pandemie, dem Ukraine-Krieg und der Bankenkrise 2023 bewährt.

Vier neue Realitäten prägen die Zukunft

Die vergangenen zehn Jahre brachten vier unvorhergesehene Entwicklungen mit sich, die den Finanzsektor tiefgreifend beeinflussten.

Erstens: der Brexit, der eine Neuausrichtung der Beziehungen zur City erforderte und zur Verlagerung von über 60 Finanzinstituten und 2.500 Arbeitsplätzen nach Paris führte.

Zweitens: die wachsenden Klimarisiken.

Die ACPR war hier Vorreiter mit dem ersten globalen Klimastresstest 2020-21 und engagiert sich im NGFS.

Drittens: die digitale Revolution.

Die MICA-Verordnung für Krypto-Assets wurde in Europa 2023 verabschiedet, während die Vorbereitungen für den digitalen Euro laufen.

Cybersicherheit ist zu einem systemischen Risiko geworden, adressiert durch die DORA-Verordnung und eine neue DIDRIT-Direktion.

Die rasante Entwicklung generativer KI erfordert jedoch ständige Wachsamkeit.

Viertens: die Rückkehr der Geopolitik, die Multilateralismus untergräbt und Europa zu mehr finanzieller und technologischer Souveränität zwingt, etwa durch eine Savings and Investments Union und europäische Cloud- und KI-Lösungen.

Bürokratie-Ballast bremst Europas Banken

Die europäische Bankenregulierung hat die Institute zwar gestärkt, droht aber nun die Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen.

Villeroy de Galhau fordert eine pragmatische Vereinfachung, die nicht in Deregulierung mündet, sondern Risiken proportional adressiert.

Nur so kann die Bankenunion vollendet und grenzüberschreitende Fusionen ermöglicht werden, um Europas Finanzsektor zukunftsfähig zu machen.