Villeroy de Galhau fordert mehr Tempo für Europas Integration
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Villeroy de Galhau fordert mehr Tempo für Europas Integration

François Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France, mahnt in seiner Eurofi-Rede zu mehr Tempo bei der europäischen Integration. Europa müsse schneller handeln, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und globale Herausforderungen zu meistern.

Europas Innovationslücke und Kapitalmangel

In den letzten 25 Jahren wuchs das BIP pro Kopf im Euroraum um kumulativ 31 Prozent, deutlich weniger als die 47 Prozent in den USA.

Hauptursache ist eine 'Schumpeterianische' Innovationslücke, obwohl Europa nicht an Ersparnissen mangelt.

Die Sparquote der Haushalte liegt bei über 15 Prozent des verfügbaren Einkommens, gegenüber 11 Prozent in den USA.

Es fehlt jedoch an Eigenkapital zur Finanzierung bahnbrechender Innovationen und Risikobereitschaft.

Die Eigenkapitalfinanzierung nicht-finanzieller Unternehmen beträgt im Euroraum nur 85 Prozent des BIP, verglichen mit 220 Prozent in den USA.

Marktfragmentierung (32 Prozent) und Kapitalzugang (21 Prozent) sind laut einer Umfrage die größten Hindernisse für europäische Unternehmen.

Produktive Investitionen ohne Bau sind mit 10,5 Prozent des BIP im Euroraum ebenfalls deutlich niedriger als in den USA (14,3 Prozent).

Die Berichte von Letta und Draghi fassen die notwendigen Schritte in drei Imperativen zusammen: mehr Integration des Binnenmarktes (z.B. durch ein optionales 28. Regime bis 2028), bessere Investitionen (Spar- und Investitionsunion) und schnellere Innovation durch mehr Wagemut und Vereinfachung.

Träge Governance und fehlende Risikobereitschaft

Die Umsetzung strategischer Konvergenz in Europa, etwa zur 'wirtschaftlichen Souveränität', bleibt im Vergleich zu globalen Wettbewerbern zu langsam.

Technische Meinungsverschiedenheiten und eine europäische Kultur der Vorsicht bremsen bahnbrechende Veränderungen.

Villeroy de Galhau betont, dass Europa die Risiken des Handelns fürchtet, während Amerika die Risiken des Nichthandelns.

Obwohl die EU in der Vergangenheit schnell handeln konnte, etwa bei Sanktionen nach der Ukraine-Invasion oder der MiCAR-Regulierung, hat die aktuelle geopolitische Lage keine vergleichbare Beschleunigung bewirkt.

Die Governance ist schwerfällig; Einstimmigkeitserfordernisse in Bereichen wie Besteuerung oder der Spar- und Investitionsunion sind erhebliche Hindernisse.

Auch die Abstimmungsprozesse zwischen Kommission, Rat und Parlament tragen zur Langsamkeit bei.

Jetzt oder nie: Der Ruf nach einem Weckruf

Europa muss dringend einen 'pragmatischen Föderalismus' in strategischen Bereichen wie Verteidigung, Energie und Finanzintegration anstreben.

Flexible Koalitionen williger Mitgliedstaaten und eine glaubwürdige, mobilisierende Frist bis 2028 oder 2029 sind hierfür entscheidend.

Nur so kann Europa ein starkes Gegenprojekt zur globalen Unvorhersehbarkeit etablieren und seine historische Verantwortung wahrnehmen.