Villeroy de Galhau warnt vor voreiligen Zinsschritten in unsicherer Zeit
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Villeroy de Galhau warnt vor voreiligen Zinsschritten in unsicherer Zeit

Banque de France Gouverneur François Villeroy de Galhau mahnt zur Vorsicht in der Geldpolitik. Angesichts globaler Unsicherheiten sei es entscheidend, voreilige Zinsschritte zu vermeiden und die Inflation im Blick zu behalten.

Lehren aus der Vergangenheit: Andere Zeiten, andere Politik

Gouverneur Villeroy de Galhau betont, dass die aktuelle Situation trotz des Nahostkonflikts und steigender Energiepreise keine Wiederholung des Jahres 2022 darstellt.

Die makroökonomische Lage im Euroraum ist grundlegend anders: Es gibt keine post-pandemischen Ungleichgewichte, die Nachfrage nach langlebigen Gütern ist nicht überhitzt, und die Lieferketten sind weniger angespannt.

Im Februar 2026 lag die Inflation im Euroraum bei 1,9 Prozent, deutlich unter den 5,9 Prozent vom Februar 2022.

Auch die geldpolitische Ausgangslage ist robuster, ohne die Beschränkungen früherer Asset-Käufe oder der Zinsuntergrenze.

Die Normalisierung der Geldpolitik hat zu einem planbaren Abbau der EZB-Bilanz geführt.

Eine zentrale Lehre aus der jüngsten Disinflation sei die Bedeutung der Zentralbank-Glaubwürdigkeit: Verankerte Inflationserwartungen ermöglichen eine besonnene Reaktion auf Schocks, ohne aggressive Zinserhöhungen.

Szenarien und Wachsamkeit in der Krise

Die aktuelle Unsicherheit erfordert den Einsatz multipler Szenarien, wie sie die EZB und die Banque de France veröffentlicht haben – von einem temporären Schock bis zu einem schwerwiegenderen, persistenten Szenario mit Ölpreisen von bis zu 145 Dollar pro Barrel.

Die Überwachung von Rohstoff- und Energiemärkten sowie potenziellen Lieferkettenengpässen ist dabei entscheidend.

Gleichzeitig ist erhöhte Wachsamkeit für die Finanzstabilität geboten, da sich die Finanzierungsbedingungen bereits verschärft haben und Spreads ausgeweitet haben.

Die geldpolitische Reaktion auf negative Angebotsschocks konzentriert sich darauf, eine Ausbreitung auf die Kerninflation und Erwartungen zu verhindern.

Die jüngsten Inflationszahlen für März zeigen einen starken Erste-Runde-Effekt bei Energiepreisen, während die Kerninflation im Euroraum bei 2,3 Prozent stabil bleibt.

Vorsicht ist die Mutter der Geldpolitik

Die Rede unterstreicht die anhaltende Unsicherheit, in der sich Zentralbanken bewegen.

Villeroy de Galhau signalisiert klar, dass der nächste Zinsschritt der EZB eher eine Erhöhung als eine Senkung sein dürfte, um die Inflationserwartungen fest zu verankern.

Dies ist eine deutliche Botschaft an Märkte und Politik, die auf eine anhaltend restriktive Haltung hindeutet.