Villeroy de Galhau mahnt zu fiskalischer Stärke und europäischer Souveränität
Banque de France Gouverneur François Villeroy de Galhau zieht Bilanz für 2025 und fordert für 2026 fiskalische Stärke in Frankreich sowie mehr wirtschaftliche Souveränität für Europa. Die Inflation im Euroraum sei besiegt, doch neue Herausforderungen warteten.
Monetäre Politik: Sieg über die Inflation
Banque de France Gouverneur François Villeroy de Galhau erklärte den Sieg über die Inflation: Im Dezember 2025 lag die Teuerungsrate im Euroraum bei 2 Prozent, in Frankreich sogar bei 0,7 Prozent.
Die EZB sei dabei, entgegen vieler Befürchtungen, ohne Rezession oder signifikanten Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Ziel zurückgekehrt.
Er wies die Vorstellung zurück, die EZB-Politik sei restriktiver als die der USA; der Einlagenzins der EZB liege bei 2 Prozent, während die US-Zinsen bei 3,62 Prozent und die britischen bei 3,75 Prozent liegen.
Auch die Bilanzsumme der EZB sei mit 22 Prozent des BIP im Vergleich zu 14 Prozent in den USA noch expansiver.
Zinserhöhungen im Jahr 2026 seien 'fantasievoll', es sei denn, es gäbe einen unwahrscheinlichen Schock.
Die gestiegenen langfristigen Zinsen (über 3,5 Prozent für 10-jährige OATs) seien auf expansive Fiskalpolitik und höhere Inflationserwartungen in den USA zurückzuführen, nicht auf die europäische Geldpolitik.
Fiskalische Stärke statt Verleugnung
Villeroy de Galhau mahnte Frankreich, die 'fiskalische Verleugnung' zu beenden.
Es sei unerlässlich und noch erreichbar, das gesamtstaatliche Defizit 2026 auf maximal 5 Prozent des BIP zu senken.
Ein Scheitern würde zu einer 'dreifachen Erstickung' führen: fiskalisch (70 Mrd. Euro mehr Schuldendienst in zehn Jahren), wirtschaftlich (höhere Finanzierungskosten) und generationenübergreifend (mehr Ausgaben für Renten und Gesundheit für Senioren, finanziert durch Defizite für künftige Generationen).
Er forderte eine rasche Einigung und Kompromisse, um die öffentlichen Ausgaben zu stabilisieren, die die höchsten in Europa und der Welt seien.
Eine stabilere und gerechtere Besteuerung sei ebenfalls notwendig.
Europa muss schneller handeln
Europa muss seine Stärken selbstbewusster nutzen und die Fragmentierung überwinden.
Die monetäre Souveränität des Euro ist unbestreitbar, doch die wirtschaftliche und finanzielle Souveränität hinkt hinterher.
Villeroy de Galhau fordert zu Recht ein schnelleres, entschlosseneres Handeln, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Abhängigkeit von externen Akteuren zu reduzieren.