Europas Ersparnisse mobilisieren: Makhlouf fordert echten Binnenmarkt
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Europas Ersparnisse mobilisieren: Makhlouf fordert echten Binnenmarkt

Gabriel Makhlouf, Gouverneur der irischen Zentralbank, fordert die Mobilisierung von Europas Ersparnissen. Ein echter Binnenmarkt sei entscheidend, um in einer fragmentierten Welt Wohlstand zu schaffen.

Ersparnis-Paradox: Kapital sucht höhere Renditen

Europa verfügt über beträchtliche Ersparnisse, die im Euroraum bei rund 15 Prozent des BIP liegen und die 10 Billionen Euro an Haushaltseinlagen erreichen.

Trotzdem hinkt die Investitionstätigkeit, insbesondere über europäische Kapitalmärkte, hinterher.

Ein Großteil dieser Ersparnisse fließt ins Ausland, da Anleger dort höhere risikobereinigte Renditen erwarten.

'Die Frage ist nicht, ob Europa die Ressourcen zum Erfolg hat, sondern ob wir sie effektiv einsetzen,' so Makhlouf.

Das Kernproblem ist das relativ schwache europäische Wachstum, das die Effektivität von Finanz- und Regulierungsreformen zur Vertiefung der Kapitalmärkte begrenzt.

Der Binnenmarkt bleibt das mächtigste, aber ungenutzte Kapital Europas.

Die Beseitigung bestehender Barrieren, insbesondere im Dienstleistungssektor, würde die Produktivität direkt steigern und die Entwicklung der Kapitalmärkte erheblich vorantreiben.

Fragmentierte Welt fordert Stabilität

Die Weltwirtschaft wird zunehmend fragmentierter, geprägt von geopolitischen Überlegungen, neu konfigurierten Lieferketten und dem Streben nach Autonomie.

Dies stellt Europa vor die Herausforderung, dass sein Wachstumspotenzial nicht ausgeschöpft wird, obwohl es über institutionelle Stärken wie Vorhersehbarkeit, Stabilität und Rechtsstaatlichkeit verfügt.

Zentralbanken und Regulierungsbehörden tragen zur Stärkung der Brücke zwischen Ersparnissen und Investitionen bei, indem sie Preisstabilität und Finanzstabilität gewährleisten.

Diese sind grundlegende Voraussetzungen für langfristige Investitionsentscheidungen und eine effiziente Kapitalallokation.

Der Gouverneur der irischen Zentralbank betonte, dass ihre Rolle darin bestehe, die Bedingungen für Wachstum und Investitionen zu verankern.

Brücken bauen für Europas Zukunft

Makhloufs Rede unterstreicht die Dringlichkeit, strukturelle Reformen über reine Finanzanpassungen hinaus voranzutreiben.

Sein Plädoyer für einen echten Binnenmarkt ist eine zeitgemäße Mahnung, dass die fundamentale Wirtschaftsleistung die Kapitalströme lenkt.

Ohne diese Basis bleiben Bemühungen zur Mobilisierung von Ersparnissen nur Symptombekämpfung und greifen zu kurz.