Makhlouf: Geopolitik erschwert Inflationsbekämpfung der EZB
Gabriel Makhlouf, Gouverneur der irischen Zentralbank, beleuchtet die Herausforderungen für die Geldpolitik in einer fragmentierten Welt. Er fokussiert auf die Auswirkungen von Angebotsschocks auf Inflation und Wachstum sowie die kalibrierte Reaktion der EZB.
Schocks und ihre vielschichtigen Folgen
Ein signifikanter Energieversorgungsschock, wie er durch den Nahostkonflikt ausgelöst wird, treibt Preise in die Höhe und dämpft die Wirtschaftsleistung.
Makhlouf erklärt die direkten Effekte durch steigende Energiepreise, indirekte Effekte durch höhere Inputkosten und Zweitrundeneffekte durch Lohnanpassungen.
Im Euroraum, wo Tarifverhandlungen weit verbreitet sind, können Lohnanpassungen mehrere Quartale verzögert eintreten.
Der Konflikt beeinflusst auch die Nachfrage über Realeinkommen, Investitionen und Vertrauen, was langfristig inflationsdämpfend wirken könnte.
Die EZB hielt die Zinsen im März bei 2 Prozent, eine Entscheidung, die Makhlouf im Kontext dieser Unsicherheiten einordnet.
Die aktuellen Energiepreise liegen zwischen dem Basis- und dem Adverse-Szenario der EZB-Projektionen.
Szenarien statt fester Pfade
Die Analyse der Inflationsphase 2021-23 zeigte, dass Zinsen früher und stärker hätten steigen können.
Die EZB-Strategie von 2025 integriert daher Szenarioanalysen, um Unsicherheiten besser zu kommunizieren.
Ein Szenario unterscheidet sich fundamental von einer Prognose; es illustriert mögliche Entwicklungen bei abweichenden Energiepreisen.
Makhlouf betont, es gehe nicht darum, ein bevorzugtes Szenario zu wählen, sondern die Robustheit der Geldpolitik über verschiedene Ergebnisse hinweg zu gewährleisten.
Dies entspricht Lagardes 'Drei-Fälle-Ansatz': von einem Durchwinken bei begrenzten Schocks bis zu einer entschlossenen Reaktion bei signifikanter und persistenter Zielabweichung.
Die EZB verfolgt einen datenabhängigen und sitzungsweisen Ansatz, ohne sich auf einen vorbestimmten Pfad festzulegen.
Navigieren im Nebel der Unsicherheit
Makhloufs Rede unterstreicht die immense Herausforderung, Geldpolitik in einer von geopolitischen Schocks geprägten Welt zu kalibrieren.
Sein Fokus auf Szenarioanalysen und einen datenabhängigen Ansatz spiegelt die Grenzen traditioneller Prognosemodelle wider.
Dies ist eine realistische Einschätzung der komplexen Lage, die jedoch keine konkreten neuen geldpolitischen Signale liefert, sondern die Notwendigkeit flexibler Reaktionen betont.