Makhlouf: EZB-Zinsschritt wegen Nahost-Inflation nötig
Gabriel Makhlouf, Gouverneur der irischen Zentralbank, rechtfertigt den jüngsten EZB-Zinsschritt. Er warnt vor anhaltenden Inflationsrisiken durch den Nahost-Konflikt und dessen Auswirkungen auf die Eurozone.
Nahost-Konflikt treibt Preise hoch
Der EZB-Rat hat den Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent angehoben – die erste Erhöhung seit 2023.
Diese einstimmige Entscheidung ist eine Reaktion auf den Inflationsdruck, der durch höhere Ölpreise und Lieferkettenstörungen infolge des Nahost-Krieges entsteht.
Makhlouf betonte die Verpflichtung des Rates, das 2-Prozent-Inflationsziel mittelfristig zu erreichen.
Er hob hervor, dass Nettoenergieimporteure wie Europa, und insbesondere Irland mit 80 Prozent Energieimporten, stark von Energiepreisschocks betroffen sind.
Der Konflikt führt zu steigenden Preisen für energieintensive Produkte wie Düngemittel und petrochemische Erzeugnisse, die in vielen Alltagsprodukten stecken.
Die Kerninflation im Euroraum lag im Mai bei 3,2 Prozent, wobei die Energieinflation fast 11 Prozent erreichte.
Diese Entwicklungen zeigen, dass sich der anfängliche Energieschock über alle Sektoren hinweg ausbreitet.
Gedämpfte Nachfrage, hohe Erwartungen
Im Gegensatz zum Energieschock von 2022, der auf eine starke Erholung nach der Pandemie traf, ist die aktuelle Nachfrage im Euroraum deutlich schwächer.
Das BIP-Wachstum wurde seit Kriegsbeginn nach unten korrigiert, das Konsumentenvertrauen ist gesunken und private Investitionen zögern.
Auch die Konkurrenz durch Chinas High-Tech-Exporte belastet europäische Hersteller.
Makhlouf warnte jedoch davor, sich zu sehr auf ein 'diesmal ist alles anders'-Narrativ zu verlassen, da die Daten weiterhin klaren Aufwärtsdruck zeigen.
Besonders kritisch sind die Inflationserwartungen: EZB-Forschung zeigt, dass Verbraucher ihre kurzfristigen Erwartungen nach dem Nahost-Konflikt stark nach oben korrigierten.
Die Haushalte sind zudem sensibler für Preisentwicklungen geworden, was die Gefahr von Zweitrundeneffekten erhöht.
Irlands BIP: Schein trügt
Der jüngste EZB-Zinsschritt war angesichts der anhaltenden Unsicherheiten und Inflationsrisiken gerechtfertigt, auch wenn er keinen neuen Straffungszyklus einleitet.
Makhlouf betont die Notwendigkeit, datenabhängig zu bleiben und die Zweitrundeneffekte des Schocks genau zu beobachten.
Die irischen BIP-Zahlen des ersten Quartals, die einen starken Rückgang zeigten, sind irreführend und spiegeln nicht die robuste heimische Nachfrage wider.