Makhlouf fordert echten Binnenmarkt für Kapital und Dienste
Gabriel Makhlouf, Gouverneur der irischen Zentralbank, fordert einen echten EU-Binnenmarkt für Waren, Dienstleistungen und Kapital. Europa verpasse sonst Wachstum und Resilienz, so Makhlouf in Frankfurt.
Dienste und Kapital: Europas ungenutztes Potenzial
Der EU-Binnenmarkt ist eine der größten Errungenschaften Europas, ein Motor für Wachstum und Resilienz.
Er verbindet 450 Millionen Konsumenten und 32 Millionen Unternehmen, sichert 56 Millionen Jobs.
Doch Europa habe eine zu enge Sichtweise auf den Binnenmarkt, was Wachstum und Resilienz koste, so Makhlouf.
Das größte Potenzial liege in Dienstleistungen, die 75 Prozent des EU-BIP ausmachen, aber nur 7,6 Prozent des Intra-EU-Handels.
Die Europäische Kommission schätzt, dass die Vollendung des Binnenmarktes das EU-BIP um weitere 3-4 Prozentpunkte steigern könnte.
Barrieren wie restriktive nationale Vorschriften und fehlende gemeinsame Standards bremsen den Handel.
Makhlouf lobte die irische Regierung für ihren neuen nationalen Rahmen zur Binnenmarkt-Implementierung, inklusive eines Single Market Office.
Finanzdienstleistungen seien ein Dienstleistungssektor, dessen Fragmentierung die europäischen Kapitalmärkte beeinträchtige und Investitionskosten erhöhe.
Kapitalmarkt-Lücke: Symptom statt Ursache
Obwohl der EU-Bankensektor Vermögenswerte von 33 Billionen Euro und Schuldverschreibungen von 24 Billionen Euro umfasst, fehle es an Risikokapital für innovative Firmen.
Die EU-Börsenkapitalisierung liege bei 73 Prozent des BIP, nur ein Viertel des US-Äquivalents.
Der Draghi-Bericht zeige, dass die Kapitalmarkt- und Innovationslücke zwei Seiten derselben Medaille seien: EU-Wagniskapitalinvestitionen erreichten 2025 nur ein Fünftel des US-Niveaus.
Makhlouf sieht regulatorische Fragmentierung als Symptom, nicht als Ursache.
Ein echter Binnenmarkt für Dienstleistungen sei die Voraussetzung.
Zwei Bedingungen seien für einen echten Kapitalbinnenmarkt entscheidend: eine vollständige Regulierungsarchitektur (Harmonisierung von Insolvenzrahmen, Steuerbehandlung, Post-Trade-Infrastruktur) und ein einziges sicheres Asset.
Mut zum echten Binnenmarkt gefragt
Makhloufs Plädoyer ist eine klare Mahnung: Europas fragmentierter Binnenmarkt kostet Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.
Die NGEU-Erfahrung belegt die Machbarkeit gemeinsamer Lösungen, doch der politische Wille für ein dauerhaftes sicheres Asset fehlt noch.
Ohne entschlossenes Handeln auf allen Ebenen wird Europa im globalen Wettbewerb weiter zurückfallen.