Makhlouf: Irlands Sparüberschuss muss in Kapitalmärkte fließen
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Makhlouf: Irlands Sparüberschuss muss in Kapitalmärkte fließen

Irlands Sparüberschuss von 170 Milliarden Euro liegt ungenutzt bei Banken. Gabriel Makhlouf, Gouverneur der irischen Zentralbank, fordert eine Stärkung der privaten Investitionen in Kapitalmärkten.

Irlands ungenutztes Potenzial

Europäische Haushalte halten erhebliche Ersparnisse, doch die Investitionen halten nicht Schritt.

Allein im Euroraum beläuft sich der Einlagenbestand auf fast 10 Billionen Euro.

In Irland ist die Situation besonders ausgeprägt: Rund zwei Drittel des Nettovermögens sind in Immobilien gebunden.

Etwa 170 Milliarden Euro liegen ungenutzt auf Einlagen bei irischen Banken.

Die direkte Beteiligung irischer Haushalte an Finanzmärkten ist im EU-Vergleich sehr gering: Nur 2,3 Prozent ihrer Finanzanlagen werden direkt in börsennotierte Aktien und Schuldverschreibungen investiert, gegenüber einem EU-Durchschnitt von 7,5 Prozent.

Auch bei den direkten Beteiligungen an Investmentfonds liegt Irland mit knapp über 2,2 Prozent EU-weit am unteren Ende, obwohl es ein globales Zentrum für Investmentfonds mit über 5 Billionen Euro verwalteten Vermögens ist.

Hürden für den Kapitalmarkt

Die geringe direkte Beteiligung irischer Privatanleger an den Kapitalmärkten ist auf ein komplexes Zusammenspiel historischer, kultureller und struktureller Faktoren zurückzuführen.

Tief verwurzelte psychologische und emotionale Barrieren, möglicherweise aus früheren Finanzkrisen, spielen eine Rolle.

Hinzu kommen Wissens- und Verständnislücken sowie die Wahrnehmung, dass Investitionen komplex und nur den Wohlhabenden vorbehalten sind.

Diese Herausforderungen stehen im Widerspruch zur europäischen 'Savings and Investments Union'-Agenda, die eine stärkere Beteiligung von Privatanlegern an den Kapitalmärkten als zentral für Europas wirtschaftliche und finanzielle Resilienz ansieht.

Dringend, aber komplex

Makhloufs Rede unterstreicht ein drängendes Problem: Die Mobilisierung privater Ersparnisse für die Realwirtschaft ist entscheidend für Europas Wettbewerbsfähigkeit.

Die identifizierten Barrieren sind tiefgreifend und erfordern einen koordinierten Ansatz aus Produktinnovation, umfassender Finanzbildung und robustem Verbraucherschutz.

Ohne diese Maßnahmen bleibt ein enormes wirtschaftliches Potenzial ungenutzt, was langfristig die Resilienz Irlands und der gesamten Eurozone schwächt.