Demografischer Wandel: Albaniens Zentralbankchef fordert mutige Reformen
Der Gouverneur der Bank von Albanien, Gent Sejko, warnte vor den tiefgreifenden Auswirkungen des demografischen Wandels auf die albanische Wirtschaft. Er betonte die Notwendigkeit mutiger Reformen, um die langfristige Stabilität zu sichern.
Albaniens demografische Pyramide kippt
Der Gouverneur der Bank von Albanien, Gent Sejko, betonte die oft unterschätzte, aber fundamentale Kraft des demografischen Wandels.
Dieser entwickle sich langsam, über Zyklen, die weit länger als Geschäfts- oder Finanzzyklen seien, weshalb er nicht immer im Zentrum der Politik- oder Zentralbankdebatten stehe.
Albanien spiegele viele der im EBRD-Bericht beschriebenen Trends wider: eine rasche Alterung der Bevölkerung, kombiniert mit erheblichen Abwanderungen junger und arbeitsfähiger Menschen.
Die Volkszählung von 2023 verzeichnete etwa 2,4 Millionen Einwohner, rund ein Drittel weniger als 1990, während das Durchschnittsalter fast 43 Jahre erreicht hat.
Diese Dynamik kehrt die demografische Pyramide um und belastet Produktivität, öffentliche Finanzen und langfristige Wachstumsaussichten.
'Demografie muss kein Schicksal sein,' schloss Sejko und betonte die Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen.
Geldpolitik im demografischen Korsett
Die albanische Wirtschaft zeigte in den letzten Jahren starke Resilienz, gestützt durch niedrige Inflation, Wachstum und steigende Beschäftigung.
Die Bank von Albanien trug mit umsichtiger Geldpolitik zur Preisstabilität bei.
Eine akkommodierende Politik seit Mitte 2024 verankerte Inflationserwartungen und verbesserte Finanzierungsbedingungen.
Trotz dieser Erfolge werden die negativen demografischen Trends voraussichtlich anhalten.
Studien zeigen, dass sie den Realzins unter Druck setzen und die Wirksamkeit konventioneller Geldpolitik einschränken könnten.
Demografische Verschiebungen könnten zudem die Inflationsdynamik verkomplizieren, da eine höhere Arbeitsmarktpartizipationsrate mit steigenden Löhnen einhergeht.
Diese Erkenntnisse decken sich mit dem EBRD-Übergangsbericht für Emerging Europe.
Demografie ist kein Schicksal – aber eine Aufgabe
Sejko liefert eine ungeschminkte Analyse der demografischen Herausforderungen, die weit über Albanien hinaus relevant sind.
Seine Forderung nach mutigen, koordinierten Reformen – von Rentensystemen bis hin zu KI-Strategien – ist ein Weckruf an die Politik.
Die Erkenntnis, dass Geldpolitik allein an ihre Grenzen stößt, unterstreicht die Dringlichkeit eines breiteren Ansatzes.