Geopolitik treibt Risikoaufschläge in Schwellenländern
Eine neue Studie der BIZ zeigt, dass geopolitische Risiken die Risikoaufschläge für Staatsanleihen in Schwellenländern erhöhen. Die Analyse von 13 Volkswirtschaften belegt, dass insbesondere Bedrohungen und Krisen die Kosten für Kreditausfallversicherungen und Anleihen verteuern.
Bedrohungen wirken stärker als Taten
Eine neue Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) untersucht, wie geopolitische Risiken (GPR) auf das Staatskreditrisiko in Schwellenländern (EMEs) wirken.
Die Autoren Fredy Gamboa-Estrada und José Vicente Romero analysieren monatliche Daten von 13 EMEs über einen Zeitraum von 20 Jahren (Januar 2005 bis Oktober 2025), darunter 5-jährige Staatskreditausfall-Swaps (SCDS) und den J.P. Morgan Emerging Markets Bond Index (EMBI) Spread.
Ihre Methodik nutzt Fixed-Effects-Panel-Lokalprojektionen, die eine zustandsabhängige Übertragung ermöglichen.
Die Ergebnisse zeigen erstens, dass ein Anstieg des GPR-Index sowohl SCDS- als auch EMBI-Spreads erhöht.
Zweitens reagieren die Märkte stärker auf geopolitische Bedrohungen als auf tatsächliche Ereignisse, was auf Antizipationseffekte hindeutet.
Drittens verstärkt die Situation nach der russischen Invasion der Ukraine die Reaktion der Risikoaufschläge erheblich.
Wirtschaftliche Kanäle und Marktstimmung
Die Studie betont die Bedeutung des Verständnisses, wie geopolitische Ereignisse die Staatskreditmärkte beeinflussen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) identifiziert zwei Hauptkanäle: den wirtschaftlichen Kanal und den Marktstimmungskanal.
Der wirtschaftliche Kanal umfasst Störungen in Handel, Lieferketten und Finanztransaktionen sowie erhöhte fiskalische Anfälligkeiten.
Diese Faktoren können die staatlichen Kreditkosten erhöhen.
Der Marktstimmungskanal spiegelt erhöhte Unsicherheit und Risikoaversion wider, die zu Kapitalabflüssen und einer Flucht in sichere Häfen führen.
Die gemeinsame Analyse von SCDS- und EMBI-Spreads ermöglicht ein umfassenderes Verständnis der Dynamik des Staatsrisikos in Schwellenländern.
Mehr als nur eine Randnotiz
Diese Forschung liefert wichtige Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger und Marktteilnehmer, indem sie die komplexen Wechselwirkungen zwischen Geopolitik und Staatsrisiko beleuchtet.
Die Differenzierung zwischen Bedrohungen und tatsächlichen Ereignissen sowie die Berücksichtigung zustandsabhängiger Übertragungsmechanismen sind methodisch überzeugend.
Für die Praxis bedeutet dies, dass geopolitische Szenarien aktiver in die Risikoanalyse integriert werden müssen.