Neue Studie: Geopolitisches Risiko im Euroraum inflationär
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Neue Studie: Geopolitisches Risiko im Euroraum inflationär

Eine neue Studie der BIZ und Bundesbank stellt einen maßgeschneiderten Indikator für geopolitische Risiken im Euroraum vor. Dieser zeigt erhebliche rezessive und inflationäre Folgen, die US-basierte Messungen übersehen.

Lokale Perspektive statt Anglosphäre

Geopolitische Risiken (GPR) sind ein zentrales Anliegen für den Euroraum, doch gängige Messgrößen spiegeln oft eine US-amerikanische Perspektive wider.

Fünf Ökonomen der BIZ und Bundesbank führen einen neuen, auf den Euroraum zugeschnittenen GPR-Indikator ein, der ausschließlich europäische Nachrichtenquellen nutzt.

Dieser 'EA GPR'-Index, verfügbar in täglicher und monatlicher Frequenz, zeigt eine ausgeprägte Divergenz zu Anglosphäre-Maßen, insbesondere im Jahr 2022 während des Ukraine-Krieges.

Die Studie betont, dass lokale Perspektiven entscheidend sind, da die Exposition gegenüber GPR von der Beteiligung einer Region an einem Konflikt abhängt und somit ihre wirtschaftlichen Reaktionen prägt.

Die Autoren stellen zudem zwei weitere nachrichtenbasierte Indizes für Sanktionsintensität und Engpässe im Euroraum vor.

Die Messung von GPR hat demnach wichtige Implikationen für die makrofinanzielle Analyse, da die makroökonomischen Effekte eines GPR-Schocks unterschätzt werden, wenn die europäische Perspektive ignoriert wird.

Krieg in der Ukraine: Hohe Kosten für den Euroraum

Ein Schock des neuen EA GPR-Index senkt die Wirtschaftsaktivität und erhöht die Preise im Euroraum, was mit einer angebotsseitigen Störung übereinstimmt und zu einer Straffung der Geldpolitik führt.

Im Gegensatz dazu zeigen Anglosphäre-GPR-Indikatoren keine signifikanten Reaktionen.

Die Studie quantifiziert die makroökonomischen Kosten des Ukraine-Krieges für den Euroraum: Die Industrieproduktion lag Mitte 2022 um rund 1 Prozent niedriger und die Preise um etwa 0,6 Prozent höher.

Zukünftige Entwicklungen geopolitischer Risiken, etwa durch Konflikte im Nahen Osten, beeinflussen die Aussichten des Euroraums stark.

Die Analyse der Transmissionskanäle zeigt, dass der Sanktionskanal nur eine begrenzte Rolle spielt, während Engpässe als wichtiger Mechanismus für inflationäre Effekte identifiziert werden.

Ein längst überfälliges Instrument

Die Studie schließt eine wichtige Lücke in der Analyse geopolitischer Risiken für den Euroraum.

Indem sie eine lokale Perspektive einnimmt, liefert sie präzisere Einblicke in die realwirtschaftlichen Auswirkungen.

Für Zentralbanken und Analysten ist dieser maßgeschneiderte Indikator ein unverzichtbares Werkzeug zur besseren Einschätzung zukünftiger Schocks.