Geopolitik beeinflusst Bankkredite asymmetrisch: Vertrauen entscheidend
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Geopolitik beeinflusst Bankkredite asymmetrisch: Vertrauen entscheidend

Eine neue BIS-Studie zeigt, dass geopolitische Ereignisse internationale Bankkredite asymmetrisch beeinflussen. Negative Schocks reduzieren Kredite zwischen Blöcken stärker, positive Ereignisse haben jedoch keinen vergleichbaren Effekt wie im Handel.

Asymmetrische Effekte: Vertrauen als Achillesferse

Die Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) analysiert vertrauliche Daten von 1977 bis 2024, die bis zu 12.000 Länderpaare umfassen.

Die Ergebnisse zeigen, dass geopolitische Unterschiede die internationale Bankenaktivität über die Zeit beeinflussen.

Negative Ereignisse, wie die Invasion der Ukraine im Jahr 2022, reduzieren Kredite zwischen geopolitischen Blöcken um 10-20 Prozent stärker als innerhalb von Blöcken.

Im Gegensatz dazu haben positive Ereignisse, wie der Fall der Berliner Mauer 1989, keinen vergleichbaren Effekt auf die Kreditvergabe, selbst wenn sie den Warenhandel ankurbeln.

Diese Asymmetrie wird auf das höhere Vertrauensniveau zurückgeführt, das für internationale Bankkredite im Vergleich zum Handel mit Gütern erforderlich ist, da erstere eine ausgeprägtere intertemporale Dimension und ein höheres Maß an langfristigem Engagement erfordern.

Vertrauenserosion und langfristige Bindung

Die Forscher nutzten die BIS Locational Banking Statistics (LBS) als umfassendste Quelle für internationale Bankdaten seit 1977 und ergänzten diese mit Einblicken aus den BIS Consolidated Banking Statistics (CBS) und syndizierten Kreditdaten von Dealogic.

Die Analyse umfasste verschiedene negative Ereignisse wie die Annexion der Krim (2014) und die Invasion Afghanistans (1979).

Ein zentraler Befund ist, dass lokale Geschäfte von Banken, die über ausländische Tochtergesellschaften abgewickelt werden, weitgehend unempfindlich gegenüber geopolitischen Veränderungen sind.

Die Autoren betonen, dass Finanztransaktionen, insbesondere langfristige und unbesicherte Kredite, fundamental auf Vertrauen basieren und ein höheres Maß an Verpflichtung über die Zeit erfordern als der Handel mit Gütern, der oft mit greifbaren Sicherheiten verbunden ist.

Geopolitik als Bremse für globale Finanzströme

Diese Studie liefert eine entscheidende historische Perspektive auf die Auswirkungen der Geopolitik auf das globale Bankwesen, die über kurzfristige Schocks hinausgeht.

Sie unterstreicht, dass die Finanzmärkte im Gegensatz zum Handel nicht automatisch von positiven geopolitischen Entwicklungen profitieren, was weitreichende Implikationen für die globale Finanzarchitektur hat.

Die Erkenntnisse mahnen zur Vorsicht bei Annahmen über eine schnelle Erholung von Finanzströmen nach geopolitischen Entspannungen.

Quelle: Global banking and geopolitics through time

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