Hjelm: Geldpolitik bei Angebotsschocks erfordert Klarheit
BIS Speech Read in English

Hjelm: Geldpolitik bei Angebotsschocks erfordert Klarheit

Stellvertretender Riksbank-Gouverneur Göran Hjelm erläutert seine Sicht auf die Geldpolitik angesichts von Angebotsschocks. Klare Kommunikation und die Interaktion mit Fiskal- und Lohnpolitik sind entscheidend, um die realwirtschaftlichen Kosten zu begrenzen.

Klarheit bei steigender Inflation

Göran Hjelm beschreibt, wie die Geldpolitik mit Angebotsschocks umgehen sollte, die importierte Güter- und Dienstleistungspreise in Schweden in die Höhe treiben.

Solche Störungen, wie der Inflationsanstieg 2022 und der aktuelle Nahost-Krieg zeigen, erfordern eine differenzierte Reaktion.

Die Riksbank muss in der Lage sein, eine temporäre, angebotsgetriebene Inflation 'durchzusehen'.

Dafür sind zwei Faktoren entscheidend: Erstens, eine klare Kommunikation über die Art der Schocks, ihre wirtschaftlichen Auswirkungen und die Gründe für eine vorübergehende Inflationszunahme.

Zweitens, dass Fiskalpolitik und Lohnbildung nicht das Risiko eines breiten und anhaltenden Inflationsanstiegs erhöhen.

Eine gut funktionierende Interaktion zwischen Riksbank, Politik und Sozialpartnern ist hierfür unerlässlich.

Sekundäre Effekte, bei denen Preissteigerungen auch in nicht direkt betroffenen Sektoren auftreten oder die Lohnbildung beeinflusst wird, dürfen nicht akzeptiert werden.

Bei deren Risiko muss die Zentralbank eine Straffung der Geldpolitik kommunizieren.

Abwägung je nach Schockgröße

Die geldpolitische Reaktion auf Angebotsschocks hängt vom Ausmaß ab.

Kleine Schocks erfordern keine Reaktion.

Große Schocks hingegen erfordern eine Straffung, um Sekundäreffekte und Vertrauensverlust ins Inflationsziel zu verhindern.

Mittlere Schocks erfordern eine situationsspezifische Abwägung.

Hierbei sind die Glaubwürdigkeit des Inflationsziels, die wirtschaftliche Ausgangslage (Inflation, Kapazitätsauslastung) und der anfängliche Leitzins entscheidend.

Hohe Glaubwürdigkeit kann eine temporäre Inflation durch Kommunikation akzeptabel machen.

Hohe Inflation und Kapazitätsauslastung erhöhen das Risiko breiter Preissteigerungen und damit den Bedarf an geldpolitischer Straffung.

Auch das Verhalten anderer Zentralbanken sowie die Fiskal- und Lohnpolitik beeinflussen diese Abwägungen erheblich.

Kommunikation als Waffe

Hjelms Ausführungen unterstreichen die komplexe Gratwanderung der Zentralbanken bei angebotsseitigen Schocks.

Die Fähigkeit, temporäre Inflation durchzusehen, hängt maßgeblich von der Glaubwürdigkeit des Inflationsziels und der effektiven Koordination mit anderen Politikbereichen ab.

Dies macht Kommunikation zu einem ebenso mächtigen wie unverzichtbaren Instrument im geldpolitischen Werkzeugkasten.