Zaçaj: Albaniens Zahlungsverkehr auf Europakurs
Holta Zaçaj, Erste Vizegouverneurin der Bank von Albanien, präsentierte auf dem Balkan Payment Forum die Erfolge der Zahlungsverkehrsreformen. Albanien ist seit November 2025 Teil des SEPA-Raums und verzeichnet deutliche Kostensenkungen bei Überweisungen.
SEPA-Beitritt übertrifft Erwartungen
Albaniens Beitritt zum Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) im November 2025 markiert einen historischen Erfolg.
Elf Banken wickeln bereits SEPA-Überweisungen ab, was Haushalten und Unternehmen erhebliche Vorteile bringt.
In den ersten sechs Monaten wurden 363.000 SEPA-Transfers im Wert von 4,3 Milliarden Euro abgewickelt, was die ursprünglichen Prognosen weit übertraf.
Die durchschnittlichen Kosten für grenzüberschreitende Kleinbetragsüberweisungen sanken laut Weltbankdaten von 0,76 Prozent auf 0,08 Prozent, bei Großbeträgen sogar auf 0,02 Prozent.
Dies entspricht einer 23-fachen Reduktion und hat starke Auswirkungen auf Überweisungen, eine wichtige Einkommensquelle für viele albanische Haushalte, mit einer Projektion von 70 Millionen Euro im ersten Betriebsjahr.
SEPA vereinfacht und standardisiert Zahlungsprozesse, erhöht die Transparenz und fördert den Handel mit EU-Partnern.
Die Bank von Albanien fördert die Digitalisierung durch Gebührenobergrenzen für digital initiierte Zahlungen, wodurch rund 68 Prozent der ausgehenden Überweisungen online erfolgen.
Regulatorische Weichenstellung für Open Finance
Die Reformen umfassen regulatorische und infrastrukturelle Anpassungen.
Die Umsetzung der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 im Jahr 2020 öffnete den Markt für neue Anbieter, was zu mehr Wettbewerb und Transparenz führte.
Zehn E-Geld-Institute wurden lizenziert, zwei davon implementieren bereits Open Banking.
Eine weitere Gesetzesrevision zur Harmonisierung mit der EU-Interchange-Fee-Richtlinie ist in Arbeit.
Infrastrukturell betreibt die Bank von Albanien seit 2022 das Echtzeit-System AIPS Euro für Euro-Zahlungen und führte ein Lastschriftverfahren nach SEPA-Standards ein.
Diese Maßnahmen, ergänzt durch Finanzbildung, haben den elektronischen Zahlungsverkehr stark gefördert: 2025 wurden 67 Prozent aller Bankzahlungen per Karte und 20 Prozent online abgewickelt.
Die Zahl der elektronischen Zahlungen pro Erwachsenem verdreifachte sich seit 2020 auf 29, wobei Kartenzahlungen erstmals Bargeldabhebungen übertreffen.
Digitalisierung: Chancen und permanente Risiken
Trotz der beeindruckenden Fortschritte bleibt Bargeld in ländlichen Gebieten und bei älteren Generationen die bevorzugte Zahlungsmethode, oft aufgrund der informellen Wirtschaft und mangelnder Vertrautheit.
Die Bank von Albanien muss den Übergang zur Digitalisierung inklusiv gestalten, um neue Formen der Ausgrenzung zu vermeiden.
Gleichzeitig stellen Betrug und Cybersicherheit eine permanente Herausforderung dar, die mit der zunehmenden Digitalisierung wächst und ständige Wachsamkeit sowie internationale Kooperation erfordert.