BIS-Studie: Zinsanstieg erhöht Kreditausfälle um 0,1 Prozentpunkte
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BIS-Studie: Zinsanstieg erhöht Kreditausfälle um 0,1 Prozentpunkte

Eine neue Studie der BIZ zeigt, dass ein Zinsanstieg um einen Prozentpunkt die Kreditausfallraten um durchschnittlich 0,1 Prozentpunkte erhöht. Dieser Effekt verstärkt sich unter bestimmten makrofinanziellen Bedingungen und ist in Industrieländern relativ größer.

Die Faustregel der Kreditausfälle

Die BIZ-Ökonomen Maximilian Fandl, Boris Fišera, Adam Geršl und Christian Schmieder untersuchten für 113 Länder über drei Jahrzehnte, wie sich Änderungen der geldpolitischen Leitzinsen auf die Kreditausfallraten auswirken.

Ihre zentrale Erkenntnis: Eine Erhöhung der Leitzinsen um einen Prozentpunkt führt im Durchschnitt zu einem Anstieg der Kreditausfallraten um 0,1 Prozentpunkte.

Dieser Effekt ist ökonomisch signifikant und in Industrieländern relativ stärker ausgeprägt als in Schwellenländern.

Die Schätzungen erweisen sich als robust über verschiedene Methoden, einschließlich Instrumentalvariablen-Schätzung und bankindividueller Daten.

Entscheidend ist, dass der Effekt von Zinserhöhungen stark vom jeweiligen Zustand abhängt: Er intensiviert sich, wenn die Geldpolitik vor der Straffung locker war, die private Verschuldung hoch ist, die Fiskalpolitik kontraktiver Natur ist, sich die Wirtschaft in einem Abschwung befindet und die Zentralbankbilanzen gleichzeitig schrumpfen.

Banken mit risikoreicheren Kreditportfolios vor der Straffung verzeichnen größere Anstiege der Kreditausfälle.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Zentralbanken und Aufsichtsbehörden die Nebenwirkungen der Geldpolitik berücksichtigen und Kreditrisikodynamiken in makroprudenzielle Rahmenwerke und Stresstests integrieren sollten, um die Finanzstabilität zu gewährleisten.

Geldpolitik im Spannungsfeld der Stabilität

Die Beziehung zwischen Zinsniveaus und Kreditausfällen liegt im Schnittpunkt von Geldpolitik und Finanzstabilität.

Höhere Zinsen können die Schuldendienstfähigkeit von Kreditnehmern schwächen und das Kreditrisiko der Banken erhöhen.

Umgekehrt kann ein langanhaltendes Niedrigzinsumfeld zu übermäßiger Verschuldung und Risikobereitschaft anregen, was die Anfälligkeit bei Zinsanstiegen verstärkt.

Das Verständnis der Zinselastizität der Kreditausfallraten ist daher für geldpolitische Entscheidungsträger und Finanzregulierer gleichermaßen wichtig, insbesondere angesichts hoher privater Verschuldung und unsicherer Inflationsdynamik.

Jüngste geldpolitische Zyklen, wie die starke Straffung von 2022-23 nach einer langen Phase extrem niedriger Zinsen, haben die Debatte über den Zielkonflikt zwischen Preisstabilität und Finanzstabilität neu entfacht.

Obwohl Bedenken bestanden, dass schnelle Zinserhöhungen zu einem breiten Kreditverfall führen würden, blieben die realisierten Kreditausfälle bisher begrenzt, nicht zuletzt dank der Puffer, die Kreditnehmer mit politischer Unterstützung während der Covid-19-Pandemie aufgebaut haben.

Dennoch bleibt das Thema angesichts erhöhter Schuldenstände und des weniger vorhersehbaren makrofinanziellen Umfelds, in dem Zentralbanken agieren, hochrelevant.

Wichtige Implikationen für Zentralbanken

Die Studie liefert eine dringend benötigte quantitative Basis für die Bewertung von Nebenwirkungen der Geldpolitik.

Ihre 'Faustregeln' ermöglichen es Zentralbanken und Aufsichtsbehörden, Kreditausfallrisiken präziser in ihre Stresstests zu integrieren.

Dies ist entscheidend, um die Finanzstabilität in Zeiten hoher Verschuldung und volatiler Zinszyklen proaktiv zu sichern.