Einwanderung stärkt Handel: Fokus auf neue Produkte und Beziehungen
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Einwanderung stärkt Handel: Fokus auf neue Produkte und Beziehungen

Eine Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) belegt: Einwanderung in OECD-Länder kurbelt den internationalen Handel an. Migranten fördern dabei primär den Austausch neuer Produkte und die Etablierung neuer Handelsbeziehungen, während der Effekt auf bestehende Handelsströme geringer ist.

Neue Produkte statt mehr Volumen

Eine neue Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) beleuchtet, wie Einwanderung in OECD-Länder den internationalen Handel prägt.

Die Analyse, basierend auf Migrationsdaten aus rund 180 Herkunftsländern von 1995 bis 2023, zeigt einen klaren Handelsschub durch Migration.

Der Haupteffekt entfaltet sich auf der extensiven Handelsmarge: Migranten erleichtern es Ländern, den Handel mit neuen Produkten aufzunehmen oder gänzlich neue Handelsbeziehungen zu etablieren.

Im Gegensatz dazu sind die Auswirkungen auf die intensive Marge – also die Steigerung des Volumens bereits gehandelter Güter – deutlich schwächer.

Migrantennetzwerke spielen eine entscheidende Rolle, indem sie Informations- und Vertrauensbarrieren abbauen und so Unternehmen den Markteintritt für neue Produkte erleichtern.

Diese robusten Pro-Handels-Effekte sind besonders stark, wenn es um die Erweiterung der Produktpalette und die Schaffung neuer Handelsbeziehungen geht.

Katalysator für wirtschaftliche Integration

Migrantennetzwerke fungieren als wichtiger Katalysator für die internationale wirtschaftliche Integration.

Sie tragen dazu bei, Informationsfriktionen und kulturelle Barrieren abzubauen, was Unternehmen den Eintritt in neue Märkte und die Diversifizierung ihrer Produktpalette ermöglicht.

Dies impliziert, dass Einwanderungspolitiken, einschließlich Regularisierungsprogramme, den Handel indirekt fördern können, indem sie die Fixkosten des Markteintritts senken.

Die Studie verwendet ein strukturelles Gravitationsmodell des bilateralen Handels, ergänzt um Migrationsbestände, und einen zweistufigen Kontrollfunktionsansatz, um potenzielle Endogenität zu adressieren.

Die Ergebnisse, die mit PPML-Schätzern erzielt wurden, zeigen robuste Pro-Handels-Effekte der Migration, insbesondere für neue, differenzierte Produkte.

Die stärksten Effekte zeigen sich bei den ersten Migranten, wobei der Effekt mit wachsenden Diasporas abnimmt.

Zudem sind die Pro-Handels-Effekte größer, wenn das Herkunfts- oder Zielland wirtschaftlich weniger entwickelt ist.

Einwanderung als unterschätzter Handelsmotor

Diese Studie schließt eine wichtige Lücke in der Literatur, indem sie den kausalen Effekt von Einwanderung auf die extensiven und intensiven Handelsmargen auf Makroebene quantifiziert.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Einwanderungspolitiken nicht nur unter sozialen, sondern auch unter klaren wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten, insbesondere im Hinblick auf die Förderung des Handels.

Für OECD-Länder bietet dies einen pragmatischen Ansatz, um die wirtschaftliche Integration zu stärken und neue Exportmärkte zu erschließen.