Interchange-Gebühren: Deckelung kann Kreditkarten-Prämien steigern
BIS Paper Read in English

Interchange-Gebühren: Deckelung kann Kreditkarten-Prämien steigern

Eine neue Studie zeigt: Eine Deckelung von Interchange-Gebühren kann entgegen der Erwartung Kreditkarten-Prämien erhöhen. Dies beeinflusst die Kartennutzung und die Quersubventionierung zwischen Bar- und Kartenzahlern.

Das Paradox der Gebühren-Deckelung

Das Papier entwickelt ein zweiseitiges Modell des Zahlungskartenmarktes, das elastische Konsumentennachfrage, Marktmacht von Händlern und Netzwerken sowie Ad-Valorem-Interchange-Gebühren und Karteninhaber-Prämien berücksichtigt.

Es definiert eine 'Kreditkartensteuer' als endogenen Keil zwischen Konsumenten- und Händlerpreisen, der durch Interchange-Gebühren, Prämien und Kreditkartenakzeptanz entsteht.

Entgegen der gängigen Meinung kann eine Deckelung von Interchange-Gebühren die Gleichgewichtsprämien erhöhen, wenn die Konsumentennachfrage relativ unelastisch ist.

Dies wiederum steigert die Kreditkartenakzeptanz und intensiviert die Quersubventionierung, was Kartenbenutzern zugutekommt, möglicherweise auf Kosten der Barzahler.

Ist die Nachfrage elastischer, reduzieren Gebührenobergrenzen Prämien und Kartennutzung, was die Ergebnisse für beide Gruppen verbessert.

Die Studie bietet neue theoretische Einblicke in die Regulierung zweiseitiger Zahlungsmärkte und charakterisiert die Bedingungen, unter denen Gebührenobergrenzen die Allokationseffizienz verbessern und sozial wünschenswerte Zahlungsentscheidungen fördern.

Die Debatte um die 'Credit Card Tax'

Interchange-Gebühren, die in den USA typischerweise 2 bis 3 Prozent des Transaktionswerts ausmachen, sind seit Jahrzehnten umstritten.

Händler beklagen überhöhte Gebühren, die Einzelhandelspreise treiben, während Kartennetzwerke Prämien für Karteninhaber finanzieren.

Diese Debatte führte zu regulatorischen Maßnahmen wie dem Durbin Amendment für Debitkarten und dem vorgeschlagenen Credit Card Competition Act für Kreditkarten in den USA.

Auch in der EU, Australien und Kanada gab es ähnliche Interventionen.

Das Papier identifiziert zwei endogene 'Kreditkartensteuern' – eine für Barzahler und eine für Kreditkartenbenutzer.

Diese Steuern entstehen aus dem Zusammenspiel von Interchange-Gebühren, Prämien und der Preisgestaltung der Händler.

Komplexität erfordert Präzision

Diese Studie stellt die gängige Annahme infrage, dass Gebührenobergrenzen zwangsläufig zu niedrigeren Prämien führen, und offenbart die komplexen Verteilungseffekte solcher Regulierungen.

Die Erkenntnis, dass Prämien bei unelastischer Nachfrage sogar steigen können, ist für politische Entscheidungsträger von großer Relevanz.

Sie unterstreicht die Notwendigkeit einer präzisen Analyse der Marktdynamik, um unbeabsichtigte Folgen für Konsumenten und Händler zu vermeiden.