Geopolitik lenkt Kapitalflüsse, schwächt Risikoteilung
BIS Paper Read in English

Geopolitik lenkt Kapitalflüsse, schwächt Risikoteilung

Geopolitische Risiken formen die internationalen Kapitalflüsse und die Risikoteilung. Eine neue Studie der BIS zeigt, dass bilaterale Kredite zunehmend geopolitischen Allianzen folgen, was die globale Schockabsorption begrenzt.

Kapitalströme folgen Allianzen

Ein aktuelles Working Paper der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) untersucht, wie geopolitische Risiken die finanzielle Fragmentierung und internationale Risikoteilung beeinflussen.

Die Autoren analysieren bilaterale offizielle Kreditdaten von 1910 bis 2024 und dokumentieren, dass in Zeiten hoher geopolitischer Risiken die Kreditvergabe verstärkt entlang geopolitischer Allianzen erfolgt.

Dieser Trend limitiert die Effektivität internationaler Risikoteilung, da geopolitisch verbündete Länder oft synchronisierte Schocks erleben.

Der entwickelte Finanzfragmentierungsindex zeigt starke Schwankungen: Er stieg während der beiden Weltkriege und des Kalten Krieges stark an, sank nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und nimmt seit Russlands Invasion in der Ukraine 2022 wieder zu.

Eine 10-prozentige Zunahme des geopolitischen Risikos führt zu einem Anstieg der Fragmentierung um etwa 1,5 Prozentpunkte, ein Effekt, der über ein Jahrzehnt anhält.

Diese Reaktion ist bei bilateralen offiziellen Krediten am stärksten, schwächer bei privaten Kapitalflüssen und kaum vorhanden bei multilateraler offizieller Kreditvergabe.

Das Paradox der synchronen Schocks

Die Studie belegt, dass politisch verbündete Länder tendenziell synchronisierte Konjunkturzyklen und makroökonomische Tail-Risiken aufweisen.

Wenn sich die offizielle Kreditvergabe auf Verbündete konzentriert, verbindet sie Länder, die wahrscheinlich gleichzeitig von negativen Schocks betroffen sind.

Dies reduziert die Fähigkeit zur Risikoteilung.

Um diese empirischen Muster zu erklären, entwickeln die Forscher ein Modell der Staatsverschuldung mit begrenzter Bindung und geopolitischen Überlegungen.

Das Modell zeigt, dass selbst bei nicht-diskriminierendem Zahlungsausfall höhere geopolitische Spannungen die internationale Kreditvergabe auf verbündete Länder umleiten und die Risikoteilung schwächen.

Eine Zunahme geopolitischer Spannungen, modelliert als erhöhter Nutzenverlust durch den Rivalenblock, verkleinert die Kreditaufnahmemöglichkeiten eines Landes und verschiebt die Zusammensetzung der Portfolios zugunsten des verbündeten Blocks.

Die verborgenen Kosten der Geopolitik

Die Arbeit liefert eine fundierte empirische und theoretische Erklärung für die zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft.

Sie zeigt auf, dass die geopolitische Neuausrichtung der Kapitalflüsse nicht nur ein politisches Phänomen ist, sondern direkte wirtschaftliche Kosten in Form reduzierter internationaler Risikoteilung verursacht.

Für politische Entscheidungsträger ist dies eine wichtige Erkenntnis, die bei der Gestaltung zukünftiger internationaler Finanzarchitekturen berücksichtigt werden muss.

Quelle: International Risk-Sharing in a Fragmented World

IN: