Investmentfonds: Versteckte Währungsrisikopositionen
Eine neue BIZ-Studie zeigt, dass die Währungsrisikopositionen von Investmentfonds komplexer sind als angenommen. Insbesondere Aktienfonds betreiben opportunistische Währungsspekulation, während Rentenfonds stabil absichern.
Das Paradox der Absicherungsquoten
Die Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beleuchtet die de facto Währungsrisikopositionen von Investmentfonds im Euroraum gegenüber dem US-Dollar.
Sie misst die Sensitivität der Fondsrenditen gegenüber Wechselkursen, nachdem die Renditen der zugrunde liegenden Vermögenswerte berücksichtigt wurden.
Dies ermöglicht es, die tatsächliche Absicherungsquote zu bestimmen, selbst bei fehlenden detaillierten Derivatdaten.
Rentenfonds weisen demnach hohe und stabile Absicherungsquoten nahe 100 Prozent auf, die nur geringfügig auf Absicherungskosten reagieren.
Im Gegensatz dazu sind die Absicherungsquoten von Aktienfonds deutlich niedriger und volatiler, was auf einen opportunistischen Ansatz zur Währungsspekulation hindeutet.
Vor dem "Liberation Day" im April 2025 zogen Aktienfonds mit niedrigen Absicherungsquoten die meisten Zuflüsse an und übertrafen Fonds mit hohen Quoten, eine Beziehung, die sich danach umkehrte.
Spekulation statt reiner Absicherung
Die Anpassungen der Absicherungsquoten bei Rentenfonds sind eng mit den Absicherungskosten und einem starken US-Dollar verbunden, da diese Faktoren direkte Auswirkungen auf die Renditen festverzinslicher Anlagen haben.
Bei Aktienfonds hingegen ist die Absicherungsentscheidung von einem erheblichen diskretionären und spekulativen Element geprägt.
Fondsmanager bilden aktiv Ansichten über die zukünftige Entwicklung von Wechselkursen und nutzen Derivate, um Währungsrisiken in ihre Portfolios aufzunehmen, anstatt sie zu reduzieren.
Die Studie zeigt eine enge Korrelation zwischen den Absicherungsquoten von Aktienfonds und den spekulativen Positionen nicht-kommerzieller Händler an der Chicago Mercantile Exchange.
Wenn Spekulanten auf eine Dollar-Aufwertung wetten, minimieren Aktienfonds ihre Short-Dollar-Forward-Positionen.
Umgekehrt, bei spekulativen Euro-Long-Positionen, sind die Absicherungsquoten der Aktienfonds am höchsten, was auf große offene Short-Dollar-Positionen hindeutet.
Ein Weckruf für Anleger
Diese BIZ-Studie offenbart eine kritische Lücke im Verständnis von Währungsrisiken bei Investmentfonds.
Die implizite Währungsspekulation von Aktienfonds könnte in volatilen Phasen zu unerwarteten Verlusten führen, selbst wenn Anleger eine Absicherung erwarten.
Dies erfordert eine Neubewertung der Risikomodelle und eine höhere Transparenz in der Fondsverwaltung, um Anleger besser zu schützen.