Schnabel: Europas Binnenmarkt als Motor für Wachstum und globale Stärke
EZB-Direktorin Isabel Schnabel widerspricht dem Narrativ vom schrumpfenden Europa. Sie betont Europas hohe Lebensqualität und fordert die volle Entfaltung des Binnenmarkt-Potenzials für globale Wettbewerbsfähigkeit.
Europas unterschätzte Stärken und der Ruf nach Größe
Isabel Schnabel widerspricht dem Narrativ vom schrumpfenden Europa.
Sie betont, dass der Kontinent mit hoher Lebensqualität, starken Institutionen und Anpassungsfähigkeit glänzt.
Die oft zitierte Lücke im BIP pro Kopf zu den USA sei irreführend: Europäer arbeiten durchschnittlich 40 Tage weniger pro Jahr, was rund zwei Drittel des Einkommensunterschieds erklärt.
Zudem sei das Wachstum in Europa inklusiver, mit einer geringeren Einkommenskonzentration an der Spitze.
Um diese Vorteile zu sichern und Innovation in Wachstum umzuwandeln, müsse Europa das volle Potenzial seines Binnenmarktes entfesseln.
Ein "28. Regime" sei hierfür entscheidend, um Unternehmen nahtlosen Zugang zum gesamten europäischen Markt zu ermöglichen und so die nötige Skalierung zu schaffen, die Europa heute fehle.
Dies würde Europa als eine Wirtschaftseinheit statt 27 agieren lassen.
Kontraste in Europa: Aufstieg des Südens, Deutschlands Dilemma
Während Teile der Währungsunion florieren, spürt der traditionelle Kern Europas den wirtschaftlichen Gegenwind.
Südeuropäische Länder wie Spanien, Portugal und Griechenland, einst Synonyme für Krisen, verzeichnen heute starkes Wachstum, Rekordinvestitionen und sinkende Arbeitslosigkeit.
Dies ist das Ergebnis politischer Entscheidungen und struktureller Anpassungen, unterstützt durch Instrumente wie Next Generation EU.
Im Gegensatz dazu kämpft Deutschland mit gedämpftem Wachstum, einem Rückgang des realen BIP pro Kopf seit 2019 und Herausforderungen durch demografischen Wandel, hohe Energiekosten und Protektionismus.
Schnabel argumentiert, dass Deutschlands exportgetriebenes Geschäftsmodell in einer fragmentierten Welt nicht mehr tragfähig sei und eine anhaltende Schwäche der Binnennachfrage das Hauptproblem darstelle.
Die Reformen der frühen 2000er Jahre hätten das Reallohnwachstum unterdrückt und zu einem Export von Ersparnissen geführt.
Ein Weckruf für den Kontinent
Schnabels Rede ist ein klarer Aufruf an Europa, seine internen Stärken zu erkennen und zu nutzen, anstatt sich in einer Opferrolle zu sehen.
Sie betont die Notwendigkeit, politische Entscheidungen zu treffen, die den Binnenmarkt vertiefen und die Produktivität steigern.
Für Deutschland bedeutet dies eine Abkehr vom reinen Exportfokus hin zur Stärkung der Binnennachfrage und gezielten Investitionen.
Quelle: Isabel Schnabel: Made in Europe
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