Nagel fordert Maßnahmen zur Stärkung der deutschen Wirtschaft
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Nagel fordert Maßnahmen zur Stärkung der deutschen Wirtschaft

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel fordert auf dem Frankfurter Euro Finance Summit entschlossene Maßnahmen zur Stärkung der deutschen Wirtschaft. Er betont, dass Deutschland sein Potenzial nur mit gezielten Reformen ausschöpfen kann.

Inflation steigt, EZB reagiert mit Zinserhöhung

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel betonte die anhaltenden Inflationsrisiken im Euroraum.

Die Teuerungsrate stieg im Mai auf vorläufig 3,2 Prozent, primär durch gestiegene Energiekosten infolge der Blockade der Straße von Hormus.

Die Eurosystem-Projektionen sehen die Inflation 2026 bei 3,0 Prozent, das Zwei-Prozent-Ziel wird erst 2028 erreicht.

Angesichts dessen erhöhte der EZB-Rat letzte Woche die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte.

Nagel merkte an, der aktuelle Zinsstand sei noch weitgehend neutral.

Für die deutsche Wirtschaft prognostiziert die Bundesbank ein reales, kalenderbereinigtes Wachstum von 0,5 Prozent im Jahr 2026, mit einer Beschleunigung auf 0,8 Prozent 2027 und 1,4 Prozent 2028.

Diese Erholung wird durch sinkende Energiepreise, eine stärkere Weltwirtschaft und fiskalische Impulse, insbesondere durch höhere Verteidigungsausgaben, unterstützt.

Die Inflationserwartungen sind zuletzt gestiegen, was die Notwendigkeit einer entschlossenen Geldpolitik unterstreicht, um Zweitrundeneffekte zu vermeiden.

Die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz bietet zwar Hoffnung, eine Normalisierung der Ölversorgung wird jedoch Monate dauern.

Grünes Licht für Investitionen

Bundesbank-Präsident Nagel betonte die entscheidende Rolle von Investitionen für nachhaltiges Wachstum in Deutschland.

Er identifizierte drei Schlüsselbereiche: Der Infrastruktur- und Klimaneutralitätsfonds muss öffentliche Investitionen beschleunigen.

Planungs- und Genehmigungsverfahren bedürfen einer Straffung und Digitalisierung, um bürokratische Hürden abzubauen.

Zudem muss Deutschland als attraktiver Standort für Unternehmen und Talente gestärkt werden, insbesondere durch die Förderung von Wagniskapital.

Der deutsche Wagniskapitalmarkt ist im Vergleich zu anderen Industrieländern deutlich kleiner, mit einem Deal-Volumen von 0,16 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2025.

Dies liegt an geringerer Risikobereitschaft institutioneller Anleger und fragmentierten europäischen Kapitalmärkten.

Nagel forderte ein Ende der Zersplitterung und einen echten europäischen Binnenkapitalmarkt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Deutschland kann, wenn es will

Nagels Rede ist ein klarer Appell an Politik und Wirtschaft, die Wachstumschancen Deutschlands entschlossen zu ergreifen.

Er skizziert präzise die Baustellen – von bürokratischen Hürden bis zum unterentwickelten Wagniskapitalmarkt – und liefert konkrete Ansatzpunkte für Reformen.

Die Botschaft ist unmissverständlich: Das Potenzial ist da, doch es bedarf jetzt mutiger und koordinierter Anstrengungen, um es voll auszuschöpfen.

Quelle: Joachim Nagel: Act now and advance the German economy

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