Nagel warnt vor Fragmentierung und fordert europäische Souveränität
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel analysiert die Risiken der geoökonomischen Fragmentierung und globalen Unsicherheit. Er fordert eine Stärkung der europäischen Souveränität, insbesondere durch eine digitale Zentralbankwährung.
Die Kosten der Fragmentierung
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel beleuchtet die Risiken der geoökonomischen Fragmentierung, die durch die COVID-19-Pandemie, Russlands Krieg in der Ukraine und den US-Handelspolitikwandel verstärkt wird.
Er betont die Notwendigkeit, wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren und Lieferketten zu diversifizieren.
Die deutsche Wirtschaft wird 2026 voraussichtlich um 0,6 Prozent wachsen, getragen von Staatsausgaben, während die Eurozone um 1,2 Prozent expandiert.
Die Inflation im Euroraum bleibt mit einem mittelfristigen Ziel von 2 Prozent vereinbar, mit einer erwarteten Punktlandung 2028.
Dennoch erhöhen geopolitische Spannungen und fiskalische Anfälligkeiten die Risiken für die Finanzstabilität, insbesondere bei deutschen Banken und an internationalen Märkten, wo der US-Dollar an Safe-Haven-Status verliert.
Europas Antwort auf globale Unsicherheit
Nagel bekräftigt den datenabhängigen Ansatz der Geldpolitik, der angesichts hoher Unsicherheit Flexibilität bewahrt.
Europa müsse seine Werte verteidigen und den regelbasierten Handel stärken, wie die Abkommen mit Mercosur und Indien zeigen.
Entscheidend sei jedoch eine größere Unabhängigkeit in Verteidigung und Schlüsselindustrien wie der Satellitentechnologie, wo Projekte wie IRIS2 und Galileo die Abhängigkeit von externen Systemen reduzieren sollen.
Zudem fordert er eine tiefere Integration des Binnenmarktes und eine Spar- und Investitionsunion, um Europas wirtschaftliche Souveränität zu stärken und Kapital für innovative Unternehmen zu mobilisieren.
Digitaler Euro als Souveränitätsanker
Die Dominanz nicht-europäischer Zahlungsanbieter gefährdet Europas Souveränität und führt zu Kosten sowie Datenabflüssen.
Ein digitaler Euro als öffentliches Basisangebot könnte diese Abhängigkeit reduzieren und die finanzielle Integration vorantreiben.
Er ist entscheidend, um die Resilienz des europäischen Zahlungsverkehrs zu stärken und der potenziellen Gefahr US-Dollar-denominierter Stablecoins entgegenzuwirken.