Nagel: Geopolitische Risiken bedrohen EZB-Geldpolitik und Unabhängigkeit
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel beleuchtet die geopolitischen Herausforderungen für die europäische Geldpolitik. Er fokussiert auf Inflationsvolatilität, Zentralbank-Unabhängigkeit und den Aufstieg von Stablecoins.
Geopolitische Risiken und Inflationswellen
Der Geopolitical Risk Index, entwickelt von Ökonomen der Federal Reserve, zeigt aktuell hohe Werte: 145 im letzten Jahr und 164 im Januar 2026. Diese Risiken beeinflussen die Wirtschaft, insbesondere Investitionen.
Nagel diskutiert, wie geopolitische Schocks die Inflationsvolatilität erhöhen können, wie nach Russlands Invasion der Ukraine, als Energiepreise und Lieferketten gestört wurden.
Trotz erfolgreicher Inflationskontrolle im letzten Jahr gibt es keine Garantie, dass solche Schocks ausbleiben.
Das Eurosystem hat seine geldpolitische Strategie angepasst, um agil auf volatile Inflationsdynamiken zu reagieren, und setzt auf Szenarioanalysen in Prognosen.
Unabhängigkeit unter Druck
Zentralbank-Unabhängigkeit ist entscheidend für Preisstabilität, eine Erkenntnis, die auf Kydland und Prescott zurückgeht und empirisch belegt ist.
Zunehmender geopolitischer Wettbewerb könnte jedoch den Druck auf Zentralbanken erhöhen, fiskalische Ziele über die Inflationsbekämpfung zu stellen.
Nagel verweist auf den politischen Druck, dem die Federal Reserve derzeit ausgesetzt ist.
Sollte dieser Erfolg haben, könnte dies als Blaupause für andere Länder dienen und weltweit zu höheren Inflationsraten führen.
Für das Eurosystem ist die Unabhängigkeit im Primärrecht der EU verankert, doch Nagel mahnt zur ständigen Wachsamkeit.
Dollar-Dominanz im Digitalen?
Der Aufstieg fremdwährungsdominierter Stablecoins birgt erhebliche Risiken für die geldpolitische Souveränität des Euroraums.
Eine breite Akzeptanz könnte zu einer schleichenden Dollarisierung führen und die Wirksamkeit der EZB-Politik massiv einschränken.
Die Einführung eines digitalen Euro und die Förderung euro-denominierter Token sind daher strategisch entscheidend, um die Währungsstabilität zu sichern.