Nagel: Deutsche Wirtschaft vor Erholung, globale Herausforderungen erfordern Kooperation
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Nagel: Deutsche Wirtschaft vor Erholung, globale Herausforderungen erfordern Kooperation

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht die deutsche Wirtschaft 2026 auf einem Erholungspfad. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit internationaler Kooperation angesichts vielfältiger globaler Herausforderungen.

Wachstum kehrt zurück, Haushaltsdefizit steigt

Die Bundesbank prognostiziert für Deutschland eine Rückkehr der Inflation zum Zwei-Prozent-Ziel: Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) wird 2026 voraussichtlich um 2,2 Prozent und in den Jahren 2027 und 2028 um rund 2 Prozent steigen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2025 kalenderbereinigt um 0,3 Prozent und soll 2026 um 0,6 Prozent, 2027 um 1,3 Prozent und 2028 um 1,1 Prozent zulegen.

Die expansive Fiskalpolitik, insbesondere durch Rüstungs- und Infrastrukturausgaben, wird das Wachstum bis 2028 kumulativ um 1,3 Prozentpunkte stützen.

Gleichzeitig erwartet die Bundesbank einen deutlichen Anstieg der Staatsverschuldung: Die Schuldenquote soll von 62 Prozent im Jahr 2024 auf 68 Prozent im Jahr 2028 klettern, während die Defizitquote von 2,7 Prozent auf 4,8 Prozent ansteigt.

Ein robuster Haushaltsplan sei unerlässlich, um das Defizit mittelfristig zu senken.

Die Belebung der Haushaltsnachfrage wird zum BIP-Wachstum beitragen, während Unternehmensinvestitionen und Exporte nur langsam wieder an Fahrt gewinnen, gebremst durch Zölle.

Der Leistungsbilanzüberschuss wird von 4,7 Prozent (2025) auf 3,2 Prozent (2028) des nominalen BIP sinken.

Regelbasierte Kooperation als Antwort

Die vorgestellten Prognosen sind mit erheblicher Unsicherheit behaftet.

Globale Herausforderungen wie geopolitische Konflikte, Handelsstreitigkeiten, der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz, digitale Innovationen im Finanzsystem (insbesondere Distributed-Ledger-Technologie) und der Klimawandel sind omnipräsent.

Nagel plädiert für eine regelbasierte internationale Zusammenarbeit und verweist auf bewährte Institutionen wie den Finanzstabilitätsrat (FSB), die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und den Internationalen Währungsfonds (IWF), die in Krisenzeiten ihre stabilisierende Rolle unter Beweis gestellt haben.

Er hob zudem den BIZ Innovation Hub hervor, der Finanzinnovationen für Zentralbanken analysiert, sowie das Network for Greening the Financial System (NGFS), dessen Vorsitz die Bundesbank seit 2024 innehat.

Trotz zunehmender Schwierigkeiten in der internationalen Kooperation betont Nagel die Notwendigkeit, gemeinsame Lösungen zu suchen: 'Gemeinsam sind wir stärker'.

Die Illusion der Alleingänge

Nagels eindringliches Plädoyer für internationale Kooperation ist angesichts der globalen Fragmentierung und der Rückkehr nationaler Alleingänge von hoher Relevanz.

Die komplexen Herausforderungen von Geopolitik bis Klimawandel können von keinem Land isoliert bewältigt werden, was die Stärkung multilateraler Institutionen unerlässlich macht.

Für Deutschland bedeutet dies, aktiv in Foren wie der BIZ und dem IWF mitzuwirken, um die eigene Resilienz in einer unsicheren Welt zu sichern.